Ruppiner Seenland und Prignitz

Vom guten Ton in Brandenburg

Wo die Havel fließt, ist vielerorts auch Ton zu finden. Mal mehr, mal weniger, mal in reinster Qualität, mal kräftig durchmischt. Es ist daher kein Zufall, wenn sich im Ruppiner Seenland zahlreiche Ziegeleien gründeten und die Töpferkunst zu höchster Blüte entwickelt hat.

Als im Rheinsberger Schloss Prinz Heinrich, der kleine Bruder von Friedrich dem Großen, residierte, initiierte er nach dem Vorbild der Porzellanmanufakturen königlicher Häupter die Herstellung von Fayencen in Rheinsberg. Daraus entwickelte sich eine äußerst erfolgreiche Steingut-Produktion, die den Namen Rheinsberg in ganz Europa zu einem Begriff werden ließ. Wer mehr über die Geschichte der Rheinsberger Keramik wissen möchte, kommt im Keramik-Museum am Markt auf seine Kos­ten. Das Museum ist in der Saison täglich außer dienstags geöffnet. Heute arbeiten in Rheinsberg zwei Keramik-Manufakturen und bieten ihre Produkte in Werksverkäufen an. Wer mag, kann sich zu einer Besichtigung anmelden und die Verwandlung des Tonrohlings in Teller, Tassen oder Töpfe erleben. In der Keramikmanufaktur Dornbusch sind auch Keramikkurse mit Übernachtung im Angebot. Drei Tage dauert es hier, um die Herstellung einer Teekanne zu erlernen.

Sammlerstücke aus Rheinsberg
Apropos Teekanne. Bauchig muss sie sein, braun marmoriert mit gelber Musterbordüre. Dann ist sie der Klassiker. Seit mehr als 90 Jahren wird die Kanne so von Carstens-Keramik Rheinsberg hergestellt. Sie ist eine der ältesten heute noch produzierenden Keramik-Manufakturen in Europa. Gerade im Osten Deutschlands war die bauchige Kanne in beinahe jedem Haushalt vertreten.
Die Urform der „Rheinsberger Teekanne“ haben Künstler aus ganz Europa nun in ihrem ganz eigenen Stil gestaltet. Mal verspielt, mal kraftvoll, mal abstrakt, mal bildlich – es ist ein Wunder, welche Kunstwerke man aus einem Gebrauchsgegenstand zaubern kann. Zu besichtigen sind derzeit 126 individuell gestaltete Kannen von 91 Keramikern in einer Ausstellung des Keramik Hauses Rheinsberg in der Rhinpassage. Inzwischen können es auch mehr sind, denn erst bei 250 Kannen soll die Sammlung enden. 

Markttreiben
Am zweiten Wochenende im Oktober findet in diesem Jahr zum 22. Mal im Stadtzentrum von Rheinsberg der Töpfermarkt statt. Dabei werden rund 100 Kunstkeramiker und Töpfermeister aus fast allen Bundesländern und auch aus dem Ausland Keramik in ihren verschiedensten Spielarten präsentieren. Gebrauchsgeschirr aus Kleinserien, aber auch künstlerische Einzelstücke, Schmuck, Skulpturen und Plastiken werden vertreten sein. Rund 25.000 Besucher kommen alljährlich zu diesem Ereignis und machen den „Rheinsberger Töpfermarkt“ damit zu einer der größten Veranstaltung dieser Art deutschlandweit.

Keramik in der Ofenstadt
Eine weitere Hochburg der Keramik ist in Velten zu finden. Hier erinnert seit letztem Jahr ein ganzes Museum an eine der bedeutendsten Keramikerinnen Deutschlands – Hedwig Bollhagen (1907–2001). In ihren Arbeiten vollendete sie das Einfache und fertigte formschöne Keramik für den täglichen Gebrauch. Zusammen mit dem Ofen- und Keramikmuseum werden damit in Velten auf 1.200 Quadratmetern Klassiker auf dem Gebiet der Moderne in der Keramik und kunstvolle Kachelöfen gezeigt.

Mit der Baukunst der Mönche, die aus Ziegelsteinen wunderbare Bauwerke der Backsteingotik entstehen ließ, verbreitete sich auch in der Mark Brandenburg die Technologie der Ziegelherstellung. Viele massive Bauten aus Ziegel entstanden. Im Laufe der Zeit entwickelten sich aus kleinen Ziegel-Manufakturen, in denen der Ton im Handstrichverfahren geformt und in Feldbrandöfen verfestigt wurde, große Ziegeleikomplexe. Und wie praktisch: Die Havel lieferte nicht nur den Rohstoff, sondern war dann auch noch eine wichtige Verkehrsader zum Abtransport der fertigen Produkte. „Berlin wird aus dem Kahn erbaut“ – so hieß es damals.
In den „Gründerjahren“ war der Bedarf an Baumaterial in Berlin geradezu explodiert. Ziegeleien aus Brandenburg lieferten Milliarden von Ziegeln in die Großstadt. Die Ziegel der Berliner Friedrichswerderschen Kirche kamen z.B. aus Joachimsthal, die des Roten Rathauses aus Hermsdorf. Zum Vergleich: Für den Bau eines einzigen Mietshauses sind rund 600.000 Ziegel notwendig. Ziegel wurden aber nicht allein zum Bau von Gebäuden gebraucht. Auch für Abwasserkanäle, Brücken, Fabrikhallen und die Viadukte der Hochbahn wurden sie herangekarrt. Die Ziegeleien am Unterlauf der Havel stießen längst an ihre Kapazitätsgrenzen.

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