Ruppiner Seenland und Prignitz

Wo Blau regiert

Wir sind unterwegs im Norden Brandenburgs, um die Farbe Blau zu suchen. An einem schönen Sonnentag brauchen wir nur in den Himmel zu schauen und haben dort Blau satt. Das Gold der Sonne und das Blau des Himmels bilden nun einen wundervollen Kontrast. Der zeigt sich auch im Farbkreis, auf dem sich beide Farben fast genau gegenüberstehen. Nicht weit von Bahnhof in Wittenberge entfernt steht ein Haus, dessen Fassade mit kräftigen Jugendstil-Motiven versehen ist. Hier finden wir die Kombination Blau-Gelb in besonders wirkungsvoller Weise wieder.

Gerade in der Prignitz mit seinen großen Feldern tut sich ein so sattes Blau auf, dass wir jedes Deko-Wölkchen freudig begrüßen. Aber lassen Sie uns auf den Boden schauen – wie ist es dort mit dem Blau bestellt? Felder, die ihre Natürlichkeit bewahrt haben, begrüßen uns an ihren Rändern mit dem zarten Blau der Kornblumen. Sie waren schon für unsere Ahnen ein Sinnbild der Natürlichkeit und sind es heute noch viel mehr. Denn dort, wo massenhaft Dünger und Pestizide eingesetzt werden, können keine Kornblumen mehr gedeihen. Umso mehr freuen wir uns, wenn am Wegesrand der rote Mohn und die blaue Kornblume einen farbigen Saum bilden.

Vielleicht ist die Liebe zur Kornblume bereits in unseren Genen angelegt, denn seitdem Menschen Getreide anbauen, ist die Kornblume eine ständige Begleiterin. Sie kam aus den alten Kulturen am östlichen Mittelmeer mit dem Getreideanbau in unsere Gefilde. Am wohlsten fühlt sie sich am Feldrand, wo sie reichlich Sonne abbekommt und wo sie von den Insekten schnell gefunden wird. Kein Wunder, dass die Imker die Kornblume schätzen, denn ihr Nektar hat einen sehr hohen Zuckergehalt. Seit rund 200 Jahren gilt die Kornblume als Symbol von Natürlichkeit. Als es hieß, die Kornblume sei die Lieblingsblume der legendären Königin Luise und ihres Sohnes – des späteren Kaisers Wilhelm I. – gewesen, stieg ihre Popularität ins Unermessliche. Sie galt nun als „preußische Blume“. Man konnte fast vergessen, dass sich das „Preußischblau“ auf die Uniform des Militärs bezog.

Blau sind aber auch die Seen, wovon es im Ruppiner Seenland jede Menge gibt. Die Seen hier oben im Norden Brandenburgs erreichen nicht die Ausdehnung des Schwielochsees oder anderer Gewässer im Süden des Landes. Ihre Anzahl macht es. Das Ruppiner Seenland kann sich diese Bezeichnung geben, weil hier ganze Seenketten die Landschaft prägen. Da gibt es die Rheinsberger, Fürstenberger, Kyritzer und Ruppiner Seenkette. Zwischen dieser Seenlandschaft erstrecken sich rund 2.000 Kilometer Wasserwege. Dazu die Elbe und die Havel mit ihren vielen Nebenflüssen. Wahrlich ein gewaltiges Labyrinth für abenteuerlustige Wasserwanderer.

So wie das Blau am Feldrain ein Indikator für intakte Natur ist, so zeigt auch das blaue Wasser eine saubere Umwelt an. Dort, wo sich das Sonnenlicht im klaren Wasser brechen kann, erscheint es uns besonders blau. Und wenn dann noch kein Wind die Wasseroberfläche kräuselt, wetteifern Himmel und Wasser um das tiefste Blau. Badeplätze – egal ob zum Strandbad ausgebaut oder als Badestelle mitten in der Natur belassen – üben dann eine geradezu magische Anziehungskraft aus.
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