Spreewald mit Lausitz und Elbe-Elster

Typisch Spreewald!

Der Spreewald hat all das, was Städter in ihrer freien Zeit oft suchen: stille Natur, Traditionen und altes Handwerk, schöne Geschichten und gutes, ehrliches Essen mit frischen Produkten

© Peter Becker

Der Spreewald und die Gurken gehören zusammen wie… das hat ja sooo einen langen Bart, wird manch Leser gelangweilt denken. Und dennoch lohnt ein kleiner Exkurs. Bekannt ist, dass seit vielen Jahren im Spreewald vor allem Gurken angebaut werden, denn der dunkle, humusreiche Boden und das feucht-warme Klima sind ideal für dieses Gemüse. Zusammen mit viel Wasser gedeihen die Gurken hier prächtig.

Erlebnis Gurkenflieger
Viele Familien im Spreewald entwickelten im Laufe der Jahrzehnte ihre eigenen Rezepte für die Aufgüsse zum Einlegen der Gurken. Die Zutaten sind längst bekannt, doch die Gewürze, die frischen Kräuter und vor allem die exakte Mischung geben die ganz spezielle Geschmacksnote.

Erst einmal aber müssen die Gurken geerntet werden, und das ist bis heute vor allem schwere Handarbeit. Von Juli bis September ist beste Gurkenerntezeit, dann fahren riesige „Gurkenflieger“ über die Felder. Das sind Traktoren mit tragflächenartigen Plattformen links und rechts, die 30 Meter lang sind. Hier finden gut und gerne 40 Erntehelfer Platz, die bäuchlings auf der Plattform liegen, etwa 30 Zentimeter über dem Feld „schweben“ und die Gurken ernten.

Scharfe Sachen
Und dann gibt es noch ein Gemüse, das seine Wurzeln vor allem im Spreewald hat: Meerrettich. Die üppig grüne Pflanze mit ihren hübschen weißen Blüten ist ein Blender, denn die Wurzel hat es in sich – sie ist scharf. Schon vor Jahrhunderten wurde ihre heilende Wirkung entdeckt. Meerrettich ist reich an Vitaminen und Ölen, die die Abwehrkräfte stärken und bei Stoffwechsel- und Verdauungsproblemen helfen.

Gleich neben der Reiberei baut Karl Koal mit seiner Tochter Juliane auch noch die typischen Holzkähne – als einer der letzten Kahnbauer im Spreewald. Schon seit 1884 wird das Kahnbauen in der Familie vererbt. Das Holz der rund 150 Jahre alten Kiefern für die Seiten kommt aus der Schorfheide und wird zwei Jahre lang gelagert. Knackpunkt beim Kahnbau ist das Biegen der vorsichtig befeuchteten Bretter über Feuer. Das erfordert viel Erfahrung und Geschick, denn das Holz darf nicht anbrennen oder beim Trocknen reißen. Rund zwei Wochen braucht es bis zum fertigen Kahn, alles in Handarbeit.

Treter und Trachten
Aus Holz sind auch die Dinge, die Manfred Karolczak in Burg herstellt: Holzpantoffel. Anno 1909 gegründet, führt er die Holzpantoffelmacherei in dritter Generation und ist einer der letzten in diesem alten Handwerk. In seiner Schauwerkstatt in Burg (Spreewald) können Besucher dem Meister über die Schulter schauen und beobachten, wie sich unter seinen geschickten Händen ein Stück Holz in einen Schuh verwandelt.

Viel Fingerspitzengefühl beweist Christa Dziumbla in Burg. Sie ist eine der ganz wenigen, die traditionelle niedersorbische Trachten näht, bestickt und die Burger Kopftücher steckt. Das sind die üppigsten Hauben im gesamten Spreewald. Vier Stoffteile und 80 Nadeln sind nötig, um den gewaltigen Kopfschmuck der Burger Frauen und Mädchen kunstvoll zusammenzustecken. In ihrer kleinen Ausstellung und Werkstatt finden Besucher Puppen in Spreewaldtracht, Trachten, bestickte Tücher, Bänder… Denn im Spreewald gibt es viele verschiedene Trachten zu den unterschiedlichsten Anlässen.

Beim Thema Spreewald-Trachten kommt heute übrigens niemand mehr an Sarah Gwiszcz vorbei. Die junge Modedesignerin, die aus dem Lübbenauer Ortsteil Ragow stammt, lässt sich von den sorbisch/wendischen Trachten inspirieren und verbindet traditionelle Muster wie den Blaudruck mit modernem Design.

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Mit freundlicher Unterstützung von Andreas Traube, Spreewaldverein e.V. und Peter Becker, www.bilderbecker.de

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