Uckermark und Barnim mit Seenland

Ein Bett im Kornfeld

Hotelbett war gestern – Abenteuerurlaub ist heute

„Ein Bett im Kornfeld, das ist immer frei.“ Den Text dieses Uralt-Schlagers kennt wohl jeder. Aber wer hat tatsächlich einmal eine Nacht im Freien zugebracht? Oder wenigstens in einem Schäferwagen, in einem Baumhaus? Einige erfinderische Brandenburger haben sich da originelle Schlafgelegenheiten einfallen lassen. Hier ein paar Tipps für einen kleinen Abenteuerurlaub Marke Brandenburg:

Zugegeben: Es ist kein Kornfeld, auf dem Heiko Kellers Doppelbett steht, sondern eine Wiese. Ein Moskitonetz schützt vor lästigen Insekten. Elf Euro kostet das Bettchen pro Sternengucker. Eine Kerze als Nachtlicht und ein Schlaftrunk sind inklusive. Der Chef von Odertours in Bralitz bei Bad Freienwalde hat noch mehr originelle Quartiere zu bieten: Inselhütten, in denen sich garantiert auch Hobbits wohlfühlen würden. Und wem das noch nicht reicht – hier gibt‘s auch einen riesigen Kannibalen­kessel, der fürs Bad von zehn Leuten kräftig angeheizt wird. 

Schäfchen zählen kann man besonders gut auf dem Erlenhof im Oderbruch. Barbara Brunat züchtet in Kienitz Nord Skudden – eine alte ostpreußische Schafrasse. Die Wolle wird hier gleich gesponnen und zu Socken und Pullis verstrickt, die es samt Fleisch, Wurst und Schafsmilchseife im Hofladen gibt. Nebenan stehen zwei Schäferwagen zum Übernachten. Jahrhundertelang zogen Wander-Schäfer mit ihren Schafherden durch die Lande zu den Weidewiesen. Immer mit dabei war ein einfacher, zweirädriger Holzwagen, der ein wenig Schutz vor Kälte und Nässe bot. Meist zog der Schäfer den Karren selbst. Auf engstem Raum gab es Bett, Tisch und Stuhl, Utensilien zum Kochen. Jede Ritze, jeder Haken wurde genutzt für Vorräte, Kleidung, Handwerkszeug. Heute bieten die Schäferwagen in Kienitz Nord mehr Lust als Frust, nämlich romantische Kuschelstunden gleich neben Schafen, Feld und Teich. Ein paar Schritte nur sind es zu Waschbecken und WC oder zum Bad im Steinhaus.

Nicht weit von Kienitz stehen fünf historische Eisenbahnwaggons an der Oder im alten Hafen von Groß Neuendorf. Sie stammen aus einer Zeit, als hier noch die Oderbruchbahn fuhr und die Waren zum und vom Hafen transportierte. Vor über 100 Jahren errichtet, brachte die Bahn vor allem Getreide, Milch, Kartoffeln und Gemüse aus dem Oderbruch nach Berlin. Im Zweiten Weltkrieg arg zerstört und später auch nicht mehr rentabel, wurde die Bahn 1964 schließlich stillgelegt. Die Bahntrassen aber blieben zum Teil erhalten. Hier führt heute der 142 Kilometer lange Oderbruch-Radweg entlang. Die Eisenbahnwaggons wurden saniert, zu Unterkünften ausgebaut und haben vor allem eins: einen fantastischen Blick auf die Oder.

Sie heißen Herbert, Norbert und Manfred. Die völlig aus der Mode gekommenen Jungsnamen passen bestens zu den drei bunten Bauwagen aus DDR-Zeiten. Hier ist alles drin: Bad mit Dusche, Miniküche, Doppelbett, Klappcouch, ja sogar ein Fernseher. Den braucht man aber nicht wirklich, denn die Wagen stehen mitten im Wald an der Waldschenke Stendenitz im Ruppiner Seenland. Das Gasthaus am Ufer des Zermützelsees gibt es schon seit mehr als 100 Jahren und ist ein beliebtes Ausflugsziel nicht nur der Neuruppiner. Der Blick von der Bauwagen-Terrasse auf den See, wenn der Nebel aufzieht, die geheimnisvollen Geräusche der unsichtbaren Bewohner des Waldes – die Natur hat Zauberhaftes zu bieten. right Lesen Sie weiter in der aktuellen Ausgabe, auch als E-Paper

leftVerlags-
übersicht
Menü
schliessen
right
shoppingzum
Buchshop