Quer durch den NORDEN Brandenburgs

 

 

©: REG/Petruschke-Juhre

Wandern Sie mit auf dem Poetensteig in Rheinsberg!

„Auf welchen Poetensteig“ müsste jetzt als Frage kommen. Denn in Brandenburg gibt es so einige Poetensteige – in der Märkischen Schweiz, in der Ruppiner Schweiz, im Fläming … Offenbar ist der Stolz selbst auf die kleinste Erhebung samt Wanderweg Grund genug, um ganz poetisch von einem „Steig“ zu reden. Unser Poetensteig hat das Schloss Rheinsberg als Start- und Zielpunkt. Es ist eine leichte Wanderung von ca. zehn Kilo­metern Länge, die allerdings manche leichte Steigung bereithält. Sonst wäre es ja nicht der Poetensteig!

Der Uferweg am Grienericksee erhielt vielleicht seinen Namen, weil er der schönste Weg zwischen Wasser und Wald in Rheinsberg ist und einst Theodor Fontane und Kurt Tucholsky mit „poetischen“ Blicken auf den See und das Schloss verzaubert haben soll. Er ist zu jeder Jahreszeit reizvoll: Im Frühjahr blühen die Buschwindröschen, später findet man Waldmeister, im Herbst sind es die zahlreichen Pilze und im Winter die bizarren Eiskristalle und immer wieder die verschiedenen Sichtachsen auf Rheinsberg und das Schloss.

Zunächst führt der Weg immer am Seeufer entlang durch den Park des Rheinsberger Schlosses. Ursprünglich als Barockgarten angelegt, wurde er in späteren Jahren zu einem Landschaftspark erweitert, der schließlich in einen mit Wegen durchzogenen Wald, den Boberower Forst, übergeht. Der Poetensteig beginnt unterhalb des Obelisken, der vom Rheinsberger Schloss aus von der anderen Seite des Grienericksees grüßt. Am Ende unserer Wanderung werden wir ihm einen Besuch abstatten. Eine Tafel gibt den Wanderern kurze Informationen über die Geschichte des Boberower Forstes mit auf den Weg, der immer der Uferlinie des Grienericksees folgt.

Rendevouz mit den „Bäumen des Jahres“

Auf der linken Seite auf einer Anhöhe befinden sich zwei Ruinenstücke, das sind die Reste des Giebels der ehemaligen Meierei des Schlosses, die 1765/66 erbaut wurde. Dort beginnt auch die Meierei-Allee, die zu den „Boberower Kabeln“ gehört. So bezeichnet man die ehemaligen Bürgeräcker, die in der Zeit des Prinzen Heinrich landschaftsgärtnerisch mit einem Alleensystem gestaltet wurden und so die Verbindung zum Boberower Forst herstellten. Diesen alten natürlichen Buchenwald, der ebenfalls durch Alleen gegliedert ist, streifen wir am Ende des Uferweges mit einem herrlichen Blick zurück in die Meierei-Allee zum Schloss. Wir befinden uns auf der Warenthiner Allee, der Fahrstraße zum kleinen Ort Warenthin, der bereits am Rheinsberger See liegt. Diese Warenthiner Allee überqueren wir und kommen zum „Arboretum“. Der Baumgarten wurde 1998/99 auf Initiative des damaligen Revierförsters angelegt. Dort begegnet man auf kleinem Raum einheimischen und seit dem 18. Jahrhundert hier heimisch gewordenen Gehölzen. Auch die jeweiligen „Bäume des Jahres“ sind vertreten – 2018 ist es die Ess-Kastanie. Vom Aussichtspunkt bzw. Picknickplatz im Arboretum haben Sie den schönsten Blick auf einen kleinen stillen Waldsee – den Böbereckensee, einen typischen Rinnensee, der von kleinen Steilufern und Buchenmischwald umgeben ist. Zur entsprechenden Jahreszeit blühen die Seerosen und bilden scheinbar kleine Inseln. Wenn man Glück hat, kann man von dort aus Fisch­adler, Reiher oder Schwäne beobachten. Familien mit Kindern können sich inspirieren lassen und kleine Kunstwerke aus Naturmaterial basteln.

Unterwegs zum Freundschaftstempel

Über eine kleine Holzbrücke führt der Poetensteig jetzt immer am östlichen Ufer des Böbe­reckensees entlang, und wer aufmerksam schaut, kann deutlich die Spuren des Bibers erkennen, der die Ruhe dort natürlich auch erkannt hat. Am Ende des Sees führt uns der Weg durch kühlen Laubwald, vorbei an dem 1790 errichteten Freundschaftstempel und der Malesherbes-Säule, die zu den Parkarchitekturen gehören, die Prinz Heinrich hier errichten ließ. Der Säulenstumpf mit dem flammenden Herzen und dem Beil der Französischen Revolution gemahnt an den französischen Minister, der mit seiner Familie von den Jakobinern mit dem Fallbeil, der Erfindung des Arztes Guillotin, hingerichtet wurde, weil er seinen König Ludwig XVI. in Worten verteidigte. Treten Sie jetzt aus dem Wald heraus, stehen Sie auf der Perspektivallee und haben wieder den Blick auf den Obelisken und das Schloss. Der Weg mündet am 4-Alleen-Platz. Doch darf dieser Ausflug nicht enden ohne einen Besuch des Obelisken.

Erinnerung an „vergessene Helden“

Bevor Sie wieder in den Schlosspark gelangen, erleben Sie eine Parkarchi­tektur, die Fontane als die wahre Sehenswürdigkeit von Rheinsberg bezeichnete – den Obelisken, der seit 1791 genau gegenüber dem Schloss steht. Seine Aufstellung war damals ein großes Volksfest. Für Prinz Heinrich war er kein Zierrat. In ihm drückt er die Bitternis aus, die er seinem Bruder Friedrich II. gegenüber auch lange nach dessen Tod empfand. Gewidmet ist die Erinnerungssäule den „vergessenen Helden“ des Siebenjährigen Krieges. Denn Heinrich wollte nicht nur seinen Bruder Friedrich Wilhelm vor dem Vergessen bewahren. Dieser war 1744 als Thronfolger des kinderlosen Friedrich II. bestimmt worden. Doch nach taktischen Fehlern als General im Siebenjährigen Krieg unehrenhaft aus der Armee verstoßen, verstarb er mit nur 36 Jahren kurz darauf auf Schloss Oranienburg. Die Ehrung gilt auch weiteren hohen Offizieren. Der Sockel des Obelisken ist mit 28 Medaillons besetzt, die an jeweils ein Schicksal in dem mörderischen Krieg erinnern. Da werden Feldherren genannt, die durch Fehlentscheidungen Friedrichs den Tod fanden, und andere, die in den Memoiren des Königs totgeschwiegen wurden. Nicht genannt wird der König und oberste Heerführer.

Der einmalige Blick über den See, in dem sich bei Sonnenschein die beiden Türme des Schlosses spiegeln, zeigt uns das Ziel dieser wunderschönen Wanderung. Tourentipp und Infos von: Kultur- und Landschaftsführerin Christine Mewes Tel. (03 39 31) 372 52 mewes-rheinsberg@t-online.de

Tourentipp und Infos von:

Kultur- und Landschaftsführerin

Christine Mewes
Tel. (03 39 31) 372 52

mewes-rheinsberg[at]t-online.de

Wasserspielzeug selbst gemacht

Sammelt auf Eurer Wanderung Rinde, Äste und Blätter. Das alles findet Ihr auf dem Boden des Waldes. Schnitzt nun ein Loch in die gewölbte Rinde, um den Ast als Bootsmast hineinzustecken. Ein schönes Blatt wird nun zum Segel, indem Ihr darin zwei Löcher schneidet und das Blatt auf den Ast fädelt. Schon kann die Fahrt losgehen.

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