Auf den Spuren Fontanes

Eine Bootstour von Neuruppin nach Lindow (Mark)

Theodor Fontane mochte es, sich mit dem Boot über die Seen schippern zu lassen, die im Ruppiner Seenland wie Perlen an einer Schnur aufgereiht sind. Denn hier schlängelt sich der Fluss Rhin entlang. Und dort, wo er sich „aufplustert“, erwarten Sie langgestreckte Seen – schön und sauber, urwüchsig und unverbaut. Fontane beschrieb die herrliche Natur der Ruppiner Schweiz mit ihren hügeligen Wäldern, den Seerosenteppichen auf den Gewässern und hielt so manch spannende Sage fest. Also – machen Sie sich von Fontanes Geburtsort Neuruppin mit einem führerscheinfreien Motorboot auf den Weg in die Stadt der drei Seen Lindow (Mark), deren Kloster es ihm angetan hatte, und lernen Sie die bezaubernde Landschaft kennen. Bootsverleiher finden Sie in beiden Städten gleich mehrere. Übrigens: Auch für Wasserwanderer ist das eine tolle Zwei-Tages-Tour. übernachten können Paddler auf Camping- und Biwakplätzen unterwegs.

Neuruppin:
Los geht es z.B. an der Seepromenade mit ihren Steganlagen. Im Uferbereich grüßt Sie die 17 Meter hohe Edelstahlskulptur „Parzival am See“. Sie unterqueren die Seedammbrücke – nutzen Sie bitte die rechte Brückenöffnung – und fahren schließlich rechts vorbei an der Insel Poggenwerder auf den Rhin zu.

Rhin:
Genießen Sie diesen besonderen Abschnitt, denn der Fluss Rhin schlängelt sich mitten durch Alt Ruppin. Einst stand hier eine Burg. Heute zeugen die mächtige Backsteinkirche St. Nikolai und das Denkmal des hier geborenen Komponisten Ferdinand Möhring (1816–1887) von der Geschichte der Stadt. Kommen Sie am ersten Augustwochenende her, können Sie die 98. Alt Ruppiner Korsofahrt miterleben. Dann schmücken die Alt Ruppiner mit viel Liebe und Lichtern Ufer und Boote und feiern bis tief in die Nacht. Sie passieren die Schleuse Neumühle, die den 1,65 Meter hohen Wasserunterschied zwischen Rhin und Molchowsee ausgleicht. Paddler müssen nicht warten, sie können die Bootsschleppe nutzen.

Molchowsee:
Nun fahren Sie durch den langgestreckten Molchowsee. Am Westufer lockt eine schöne Badestelle. Am Ende des Sees liegt Molchow. Fontane beschreibt in seinen „Wanderungen“ den ungewöhnlichen Glockenturm des Runddorfes, der jedoch nie eine Kirche besaß: „Aus der Mitte des Platzes wächst ein Turm auf, unheimlich und grotesk, als habe ihn ein Schilderhaus mit einer alten Windmühle gezeugt. Von beiden etwas.“ Die Molchower hatten einst eine kaputte Glocke gefunden, sie mitgenommen und ihr den Turm gebaut … Dann erreichen Sie den Tetzensee.

Tetzensee:
Das Westufer säumt ein ausgedehnter Erlenbruch. Fahren Sie bitte nicht ins Schilf, denn hier leben viele Wasservögel. Schippern Sie weiter den Rhin entlang über Stendenitz. Hier beginnt der Zermützelsee, ein Paradies für Haubentaucher, Graureiher und Eisvögel.

Zermützelsee:
Es ist Halbzeit – Zeit, um Vögel zu beobachten, sich zu stärken. Am Westufer finden Paddler mehrere Campingplätze zum übernachten und alle Gäste die knallbunte Waldschenke Stendenitz. Besuchen Sie das Waldmuseum Stendenitz im schilfgedeckten Blockhaus nebenan (in der Saison Mittwoch bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, www.forst.brandenburg.de). Der Förster Hans Zander hat hier Schätze der Natur zusammengetragen. Bereits 1936 eröffnet, ist es vermutlich das älteste Waldmuseum Deutschlands. Vor seiner Tür startet ein Walderlebnispfad. Nun beginnt eine der schönsten Strecken – es geht durch den Lindower Rhin.

Rhin:
Der Fluss mäandert auf etwa sechs Kilometer durch die sogenannte Fristower Plagge, eine Sumpf-Auenlandschaft, und durch Wiesen und Wälder. Schwimmende Rundhölzer begrenzen das sumpfige Ufer, an dem Sie Fischreiher entdecken können.

Möllensee, Gudelacksee:
Sie durchqueren den nördlichen Zipfel des Sees, fahren weiter auf dem Lindower Rhin und gelangen zum Gudelacksee. In seiner Mitte liegt die 45 Hektar große Insel Werder, die zum großen Teil in Privatbesitz ist und für ökologische Landwirtschaft und Naturerleben genutzt wird (www.inselkind-lindow.de). Am einstigen Hafen an der Nordseite können Sie anlegen und für eine Nacht biwakieren. Zwei Seen gibt es auf der Insel. Sie hatten sich gebildet, als hier Ton für Ziegel abgebaut wurde.

Lindow (Mark):
Durchfahren Sie den Gudelacksee, erreichen Sie Lindow (Mark). Sie können die Motorboote z.B. am Yachthafen festmachen und Paddler die Kanus am Campingplatz „Weisser Sand“ aussetzen. Bummeln Sie durch die „Stadt der drei Seen“ (Gudelacksee, Wutzsee – für Motorboote gesperrt, Vielitzsee) mit der Skulptur der „Schönen Nonne“ im Wutzsee, mit Stadtkirche, Heimatmuseum und dem einstigen Zisterzienserinnenkloster. Die Klosterruine war Fontanes Vorbild für sein Kloster Wutz im Roman „Der Stechlin“. Und schöner als Fontane kann man die Stadt wahrlich nicht beschreiben: „Lindow ist so reizend wie sein Name. Zwischen drei Seen wächst es auf, und alte Linden nehmen es unter ihren Schatten.“

leftVerlags-
übersicht
Menü
schliessen
right
shoppingzum
Buchshop