im Brennkanal eines Ringofens im Ziegeleipark – in der Hand: leuchtende Ziegel

Feuer, Wasser, Ziegel.

Erlebnisse für die ganze Familie…

Mit der Tonlorenbahn auf Tour

Na super! Während ich mich am Eingang zum Ziegeleipark Mildenberg noch orientiere, sind die Kids schon losgestürmt. Wohin? Natürlich zu den Bahnen! Einmal täglich rattert die Tonlorenbahn 90 Minuten lang durch die Tonstichlandschaft, und sechsmal am Tag fährt die Ziegeleibahn durch das weite Parkgelände, lese ich.

Da steht sie ja schon, die Ziegeleibahn. Nichts wie rauf und erst einmal einen überblick verschaffen – vorbei am Alten Hafen mit Bootsverleih und Gasthaus. Ein Stück weiter gibt es einen Rutschturm, kleine Tiergehege und einen Mini-See zum Abkühlen und Relaxen auf der Wiese. Der See heißt Herzbergstich, erklärt uns der Lokführer beim Halt. Die ganze Landschaft besteht aus solchen Stichen. Durch Zufall hatten hier 1887 Bauarbeiter der nahen Bahnstrecke erstklassigen Ton gefunden, ideal zum Brennen von Ziegeln. So schossen über 30 Ziegeleibetriebe mit riesigen Ringöfen wie Pilze aus dem Boden, erfahren wir. Wo der Ton gestochen wurde, füllten sich die Gruben mit Wasser. Vögel, Biber und Rotbauchunken fanden das super. Bis 1991 wurden hier Ziegel produziert, dann war Schluss. Zwei dieser Ziegeleien wurden unter Denkmalschutz gestellt und der Ziegeleipark gestaltet. Interessant! Vorbei geht es an der „Feldbahnschau“. Mit diesen Mini-Bahnen wurde einst der Ton aus der Grube geholt. Hier stehen auch urige Schienenfahrräder – die müssen wir nachher unbedingt ausprobieren! Dann kommen die Ringöfen in Sicht. Was? Schon Endstation? Die 45 Minuten vergingen wie im Fluge. Ich möchte mir in der Maschinenziegelei noch die multimediale Schau über die Arbeit zu DDR-Zeiten ansehen. Wir nehmen einen leuchtenden Ziegel in die Hand und laufen durch den einstigen Brennkanal des Ringofens. Der lässt je nach Brenntemperatur den Ziegel in unterschiedlichen Farben leuchten. Toll! Es gibt noch viel mehr Ausstellungen. Die schaffen wir gar nicht alle heute.

Meine Kids haben den Trockenschuppen erspäht, unter dem Go-Karts verliehen werden. Doch halt, was ist das? Hier kann man ja auch selbst Ziegel streichen und mitnehmen. Na denn mal los! Die Kids sind begeistert und ritzen Ornamente in ihre Ziegel. Früher strich ein Arbeiter bis zu 5.000 Stück am Tag. Unglaublich! Unsere „Kunstwerke“ jedenfalls passen super auf die Terrasse zu Hause. Wir können die Ziegel sogar brennen lassen und zu Saisonschluss abholen. Die beiden wollen sowieso noch mal her, denn in den Oster-, Sommer- und Herbstferien können Kinder ab 6 ihren Ziegeleibahn-Führerschein auf der kleinen Diesellok machen. Das gibt’s wirklich nur hier! Gleise mit gleich drei Spurweiten durchziehen den Ziegeleipark. Zum Märkischen Feldbahnfest am zweiten Mai-Wochenende ist bestimmt was los, wenn der Park mit all den dampf- und dieselbetriebenen Bahnen zur riesigen „Modellbahnanlage“ wird. Jetzt aber los zur Picknickwiese und zum Spielplatz!

… und noch mehr Tipps

Ach, der Ziegeleipark ist erst der Anfang! Keine fragenden Gesichter mehr am Frühstückstisch „was machen wir denn heute?“, denn ich habe tolle Ausflugsideen: Wir erkunden die „Deutsche Tonstraße“! Dieser 215 Kilometer lange Rundkurs mit spannenden Stationen unserer Industriekultur und Handwerkskunst im Ruppiner Seenland lässt sich super mit Baden, Wandern und Bootfahren verbinden.

Heiße Öfen

Wer von den Kids in zentralbeheizten Zimmern weiß überhaupt, was ein Ofen ist und wie der geheizt wurde? Oder dass Ofenkacheln auch richtige Kunstwerke sind? Solche Prachtöfen konnte sich aber nur die „bessere Gesellschaft“ leisten. Das schauen wir uns alles im Ofen- und Keramik- Museum in Velten an. Es ist in der denkmalgeschützten Ofenfabrik Schmidt, Lehmann von 1872 untergebracht. Einst gab es in Velten fast 40 solcher Fabriken. In der Ton- Entdecker-Werkstatt können die Kids in den Ferien kleine Gefäße oder Figuren aus Ton gestalten.

„Das sind doch bloß Töppe“

Gleich nebenan zeigt das Hedwig-Bollhagen-Museum zeitlos-schönes Alltagsgeschirr der Keramikerin Hedwig Bollhagen (1907–2001), die über sich sagte: „Kunst? Ach ja, manche nennen es so. Ich mache Teller, Tassen und Kannen.“ Im nur drei Kilometer entfernten Marwitz werden in den HB-Werkstätten noch immer Keramiken aufwändig in Handarbeit geformt, bemalt und zum Kauf angeboten.

Glasmurmelspiel

Auf jeden Fall fahren wir ins Glasmuseum nach Neuglobsow. Kaum zu glauben, in diesem kleinen, 230 Jahre alten Fachwerkhaus wohnten mal zwei Glasmacherfamilien. Vor allem grünes Waldglas wurde hier zwischen 1780 und 1890 hergestellt – meist Flaschen und Ballons. Wie viel Puste musste wohl ein Glasmacher für so einen riesigen 60-Liter-Glasballon haben? Die Kids können die Glasmurmelbahn ausprobieren und 12 Geschichten an Hörstationen lauschen. Zum Beispiel die von Johanna Pirl (1733–1810). Früh Witwe geworden, führte sie die Glashütte ihres Mannes in Neuglobsow geschickt weiter, ja gründete sogar noch weitere Glashütten. Eine Frau als Chefin! Zu dieser Zeit! Vom Glasmuseum ist es nicht weit zum Stechlinsee. Also, Badesachen mitnehmen!

Die größte Kanne der Welt

Auch Rheinsberg ist ein schönes Ziel. Ab 1762 wurden hier Fayencen hergestellt. Berühmt ist die bauchige Rheinsberger Teekanne, die ursprünglich mal in braun, heute in zig Varianten in zwei Manufakturen hergestellt wird. Bei Carstens Keramik dürfen wir werktags von 9 bis 14 Uhr zuschauen, wie die Tassen, Kannen und Krüge geformt, bemalt und glasiert werden. Und bei der Keramik Manufaktur Dornbusch können Gruppen ihre eigenen Tassen bemalen. Das ist doch die Idee für eine mal ganz andere Geburtstagsrunde! Im benachbarten Keramik-Hotel steht übrigens auch die größte Teekanne der Welt. 90 Liter passen da rein, 45 Kilogramm müsste man allerdings stemmen, ohne Inhalt…

Martina Kaiser

leftVerlags-
übersicht
Menü
schliessen
right
shoppingzum
Buchshop