Vom „Bombodrom“ zum Naturerbe

Unterwegs in Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide

Die Heinz Sielmann Stiftung wurde 1994 von Naturfilmpionier Prof. Heinz Sielmann (1917–2006) und seiner Frau Inge gegründet, die sich ihr Leben lang um den Naturschutz bemühten und bemühen. Seit nunmehr 25 Jahren hat sich die Stiftung dem Schutz der Natur verpflichtet. Mit dem Kauf großer unzerschnittener Landschaften erhält sie Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen. Als Sielmanns Naturlandschaften werden in Brandenburg rund 12.200 Hektar Fläche langfristig für den Erhalt der biologischen Vielfalt gesichert. Die Naturlandschaften sind nicht nur ein Refugium für bedrohte Arten, sondern auch Erholungs- und Lernorte für Naturbegeisterte – wie die Kyritz-Ruppiner Heide am Ruppiner Seenland.

Bundesweit wurde die Kyritz-Ruppiner Heide als „Bombodrom“ bekannt, denn der Kampf einer Bürgerbewegung für die „Freie Heide“ berührte die Öffentlichkeit. Seit 1952 nutzten sowjetische Truppen das Gebiet als übungsplatz. Nach dem Abzug der Soldaten sollte hier der größte Tiefflugübungsplatz Europas entstehen. Der friedliche Widerstand gegen die militärische Nutzung dauerte 17 Jahre – und war schließlich erfolgreich. Im Jahr 2011 übernahm die Heinz Sielmann Stiftung den südlichen Teil der Heide und erhielt damit den Auftrag, diese Flächen als Nationales Naturerbe zu bewahren und erlebbar zu machen. über die Kampfmittel und Munitionsreste wuchs in dieser Zeit buchstäblich das Gras. Moose und Flechten besiedelten den blanken Sand, den die Panzer und Bomben zurückgelassen hatten. Weitere Pflanzen schlugen Wurzeln auf den kargen Böden. Im Sommer präsentieren Heidekraut und Besenginster einen bunten Blütenteppich. Das Nektarangebot lockt viele Insekten an, die wiederum auf der Speisekarte verschiedener Vogelarten stehen. So entwickelte sich die Kyritz-Ruppiner Heide zum Natur- Juwel. Mit über 5.000 Hektar zusammenhängenden Heide-Beständen übertrifft das Gebiet sogar die Lüneburger Heide und ist damit Deutschlands größte Heidefläche.

Wanderweg lädt zum Naturerleben ein

60 Jahre war die Heide militärisches Sperrgebiet. Noch immer gilt ein Betretungsverbot, denn durch Blindgänger und Kampfmittelreste besteht nach wie vor Gefahr für Leib und Leben. Doch seit 2016 ist es wieder möglich, die Kyritz-Ruppiner Heide zu erwandern. Die Stiftung beräumte die Munition auf einem 13 Kilometer langen Weg zwischen Rossow, Pfalzheim und Neuglienicke. Rastplätze laden zum Verweilen ein, Schilder weisen den Weg und informieren über die Landschaft. Besonders schön ist es hier zur Heideblüte zwischen Mitte Juli bis Ende August. Dann können Besucher vom Sielmann-Hügel aus den Blick über das rosa Blütenmeer schweifen lassen. Anfang August erleuchten die Perseiden den Nachthimmel über der Heide. Der Meteorschauer ist hier gut zu beobachten. Mit zwei PS führen Kremsertouren gemütlich durch die Heide, die mehrere Kutsch- und Pferdehöfe der Region anbieten. Natur- und Landschaftsführer laden in der Ruhe der Heide zu Meditations- und Yogawanderungen ein. Wanderer können sich im Gasthaus „Kleines Waldhaus“ in Neuglienicke stärken.

Infos zu Kremserfahrten: www.kremserhof.de

leftVerlags-
übersicht
Menü
schliessen
right
shoppingzum
Buchshop