Rendezvous mit einer Diva

Der Havel-Radweg verbindet Mecklenburg, Berlin und Potsdam mit Sachsen-Anhalt

Die Havel ist eine Diva: schön, beeindruckend, kapriziös und ein wenig unberechenbar. Sie verbirgt geschickt ihre Herkunft im Müritz-Nationalpark in der Mecklenburgischen Seenplatte. Dann schlängelt sie sich auf insgesamt 333 Kilometer durch das Ruppiner Seenland, durch Berlin-Spandau und Potsdam, das Havelland und die Altmark, bevor sie bei Gnevsdorf in Sachsen-Anhalt in die Elbe mündet. Wo es nur geht, macht sich die Havel breit und bildet beeindruckende Seen. Der 378 Kilometer lange Havel-Radweg begleitet den Fluss und die Havel-Seen meist auf malerischen Ufer-Wegen – er ist einer der schönsten Flussradwege Deutschlands. Nehmen Sie Ihr Fahrrad, folgen Sie der Havel auf meist asphaltierten Radwegen und Nebenstraßen und erfreuen Sie sich an der weiten und stillen Landschaft.

Die Havelquelle

Ihren Ursprung hat die Havel nahe Ankershagen, dem Geburtsort Heinrich Schliemanns. Die Geschichte des berühmten Archäologen und Entdeckers von Troja, Mykene und Titys erzählt das hiesige Museum. Die Havel-Quelle ist eher unscheinbar: Aus einem ummauerten Loch wabert das Wasser hervor, um sich erst einmal im Wiesengelände zu verlieren und später als kleines Rinnsal wieder aufzutauchen. Ein Stück weiter in Kratzeburg ist die Havel bereits zwei Meter breit. Hier berichtet die Nationalpark-Information „Flatterhus“ über das Havel-Quelle-Gebiet und über Fledermäuse. Weiter führt die Strecke nach Wesenberg zur Burg mit Heimatstube und Fischereiausstellung nach Fürstenberg/Havel.

Durch das Ruppiner Seenland

Die Wasserstadt Fürstenberg/Havel trägt ihren Namen zu Recht: Die Stadt liegt auf drei Inseln, die von Havelarmen umgeben ist. Wer mag, kann hier auf eine Fahrrad-Draisine wechseln und auf stillgelegten Gleisen in den Erholungsort Himmelpfort strampeln. Ein Stück weiter erreichen Sie Mildenberg und den Ziegeleipark, in dem einst Ziegel vor allem für das boomende Berlin produziert wurden. In Zehdenick erwarten Sie die Klosterruine und das Schiffermuseum. Auf der Strecke nach Oranienburg begegnen Sie garantiert vielen Hausbootfahrern auf ihrer Havel-Tour. Der Radweg führt vorbei am Schloss Oranienburg, dem bedeutendsten Barockschloss der Mark Brandenburg.

Durch Spandau und Potsdam

Der Spandauer Abschnitt des Havel-Radweges lädt zur Reise durch den westlichsten Bezirk von Berlin ein. Er tangiert zuerst den Spandauer Forst und führt nur wenige Meter an den geschichtsträchtigen Filmstudios an der Havelinsel Eiswerder vorbei. Ganz in der Nähe fließen die Wasser der Spree in die Havel. Die Spandauer Altstadt lohnt einen Bummel. Dann erreichen Sie die fast ländlichen Ortsteile Gatow und Kladow im Süden – mit schönen Blicken über den hier sehr breiten Fluss und einem musealen Highlight: dem Luftwaffenmuseum der Bundeswehr auf dem ehemaligen Flughafen Berlin-Gatow. über die Glienicker Brücke radeln Sie hinein nach Potsdam mit den Schlössern und Gärten der preußischen Könige.

Die Schönheit des Havellandes

Im Havelland laden kleine Städte, Parks und historische Bauten zum Besichtigen ein. Die Blütenstadt Werder (Havel) ist von riesigen Obstbaugebieten umgeben, die sich im Frühjahr in ein Blütenmeer verwandeln. Sehenswert ist die Altstadtinsel in der Havel. Sie fahren vorbei am Fischerstädtchen Ketzin/Havel zur Stadt Brandenburg an der Havel mit der Dominsel. Der Lauf der Havel wird nun schmaler, Sie radeln durch die „Untere Havelniederung“ und kommen in die Optikstadt Rathenow. Von hier aus führt der Havel-Radweg weiter nach Sachsen-Anhalt.

In die Altmark zur Havelmündung

Sie erreichen Schollene in Sachsen-Anhalt und Molkenberg, einen storchenreichen Ort. Dann lädt Sie das idyllische Fischerdorf Warnau, heute Ortsteil von Havelberg, zur kulinarischen Rast ein. Anziehungspunkte in der Insel- und Domstadt Havelberg sind der Dom und das „Haus der Flüsse“, das multimediale Infozentrum des Biosphärenreservats Mittelelbe. Von der Hansestadt Havelberg führt der Radweg am Schleusenkanal vorbei, über Neuwerben zur Wehrgruppe Quitzöbel. Sie fahren weiter entlang des Mitteldeiches zwischen Havel und Elbe bis zum Rastplatz bei Gnevsdorf. Dort können Sie den Zusammenfluss beider Flüsse beobachten. www.havelradweg.de

 

 

Vergnügliche Draisinenfahrt auf stillgelegten Gleisen

Ausflügler im Brandenburger Norden können sich von Ostern bis Oktober für ein Fortbewegungsmittel entscheiden, mit dem sie sich garantiert nicht verfahren werden. Sie steigen einfach in Templin oder Fürstenberg/Havel auf eine Draisine und rollen auf höchst vergnügliche Art durch die Landschaft. Die Schienen der schon vor vielen Jahren stillgelegten Eisenbahnstrecke zwischen den beiden Orten weisen den Weg. In Templin erhalten die muskelbetriebenen Fahrzeuge täglich zwischen 9 und 12 Uhr freie Fahrt bis ins 17 Kilometer entfernte Hohenlychen, wo es ab 14 Uhr wieder zurückgeht.

Fürstenberg/Havel bietet sogar eine Vor- und eine Nachmittagstour an. Hier geht’s zwischen 9 und 11 bzw. 14.30 und 15.30 Uhr auf Tour ins 12 Kilometer entfernte Hohenlychen. Spätestens um 14 bzw. 18.30 Uhr muss die Draisine wieder am Startpunkt stehen. Entlang der Strecke finden sich 15 Rastplätze, an denen das Gefährt einfach aus den Schienen genommen und angeschlossen wird. Dann steht dem Picknick im Grünen, der Pilzsuche, einem Bad im See oder einer Besichtigung nichts im Wege. So lohnt zwischen Fürstenberg/Havel und Hohenlychen ein Stopp in Himmelpfort und ein Abstecher zur Klosterruine und zur Weihnachtmannstube. Auf der Strecke nach Templin ist z.B. das Kirchlein im Grünen in Alt-Placht sehenswert. Die Ausleih-Preise der Fahrraddraisine für vier Ausflügler beginnen bei 39,99 Euro. Ein Fahrspaß für alle!

leftVerlags-
übersicht
Menü
schliessen
right
shoppingzum
Buchshop