Bergstadt, Druidenplatz und Spreewald-Gondoliere

Unterwegs mit Fontanes „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“

Das spricht sich im Jahr seines 200. Geburtstages so leicht daher: „Wandern Sie auf den Spuren von Theodor Fontane.“ Einer, der so viel im Brandenburgischen gewandert ist, dass er fünf dicke Bücher darüber schreiben konnte, wird ja wohl ausreichend Spuren hinterlassen haben. Hat er aber nicht. Jedenfalls nicht dort draußen in der freien Natur. Denn Fontane liebte und achtete Flora und Fauna zu sehr, um sich in der Rinde von Bäumen zu verewigen oder gar seine Initialen in Stein zu hauen. So bleibt uns heute nichts anderes übrig, als in seinen Büchern nachzuschlagen. Wenn wir uns im OSTEN Brandenburgs umsehen wollen, bieten sich dafür die Bände „Oderland“ und „Spreeland“ seiner „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ an. Also schlagen wir nach.

Gamengrund

Anreise: empfohlen mit dem Auto
Wanderung: ca. 6 km
Info: Badestrand und Gaststätte am nördlichen Ende des Gamensees

Ein besonders schönes Kapitel ist das über den Gamengrund im Regionalpark Barnimer Feldmark. Fontane schwärmt über dieses Stück Landschaft in den höchsten Tönen. Das klingt so: „Der Gamensee, wie ein Flussarm, windet sich in leicht gespanntem Bogen zwischen den Tannenhügeln hin und nichts unterbricht die Stille als ein plätschernder Fisch, den die Nachmittagssonne an die Oberfläche treibt.“ Noch ein wenig mehr? „Allerhand Schmetterlinge wiegen sich auf und nieder und die Vögel sind von einer Herzlichkeit, als wäre dies das Tal des Lebens … Und ein blauer Himmel über dem Ganzen.“ Und recht hat er, der Fontane. Der Gamengrund ist ein in tiefe Seen zwischen Hügeln eingebettetes Waldgebiet mit wertvollen Buchenwäldern, die ihre Reize in jeder Jahreszeit entfalten. Selbst dem Bau der Chaussee zwischen Werneuchen und Freienwalde, den Fontane bei seinem Besuch im Gamengrund erlebte, gewann Fontane nur die besten Seiten ab. „… während sonst der Bau einer Chaussee wenig zum Reiz einer Landschaft beizusteuern pflegt, liegt hier ein Fall vor, wo das Landschaftsbild durch die durchschneidende Weglinie gewonnen hat.“ Diese Chaussee heißt heute B 158 und ist der Ausgangspunkt für Wanderungen durch den Gamengrund.

Start und Ziel ist ein Parkplatz in Leuenberg. Von hier aus geht es entlang des Langen Sees, des Mittelsees und des Gamensees. Auf der einen Uferseite hin, auf der anderen zurück. Am nördlichen Ende des Gamensees bietet ein Badestrand Abkühlung, und eine Ausflugsgaststätte lädt dort zur Rast ein. Wen es nur ans erfrischende Wasser zieht, nimmt von Tiefensee aus den direkten Weg zum Gamensee.

„Bergstadt“ Freienwalde

Anreise: RB60 bis Bad Freienwalde (von Berlin über Eberswalde)
Wanderungen: Weitblick-Tour, 9 km und Leichte-Tour, 4 km
Tipp: Besteigen Sie vier Türme und erhalten Sie das Turm-Diplom.

Ist es verwunderlich, dass von den vielen Wanderwegen, die Fontane in ihrem Namen führen, die meisten durch hügeliges Terrain oder gar auf Gipfel führen? Seitdem uns das Wandern zur Leidenschaft geworden ist, verbinden wir das stete Auf und Ab in vielgestaltiger Landschaft. Und gern glauben wir daran, dass Fontane hier seine Freude gefunden hat. Aber längst nicht alle „Fontane-Wege“ wurden vom Meister so beschrieben, wie sie heute verlaufen. Doch was macht’s? Es könnte ja sein … Zum Beispiel in Bad Freienwalde. Hier schickt er uns, kaum angekommen, in die nahe Berge. „Freienwalde ist eine Bergstadt“, schreibt er. „… ihr Reiz liegt draußen auf den Bergen. Diesen Bergen verdankt es alles, was es ist: Von dort aus kommen seine Quellen und von dort aus gehen die Fernsichten ins Land hinein.“

Mit dem Versprechen, das Freienwalder Turm- Diplom zu erwerben, schickt Sie die Stadt auf mehreren Routen hinaus in die Berge. Lassen Sie es drauf ankommen und nehmen Sie die „Weitblick-Tour“. Sie beginnt und endet am Bahnhof, ist neun Kilometer lang und bietet einen Anstieg bis zu fast 250 Meter. Das ist eine ganze Menge für Brandenburg. Auch ohne den Namen Fontane in der Bezeichnung ist diese Tour ganz in seinem Geist: Sie verbindet Naturerlebnis mit Geschichte und Gegenwart. Sogar auf den 39 Meter hohen Turm der großen Sprungschanze (benannt nach Helmut Recknagel, der Sprunglegende aus den 1960er Jahren) führt der Weg. Der Schanzenrekord hier liegt bei einer Weite von 71,5 Metern. Sollte Ihnen diese Tour zu anstrengend sein, nehmen Sie die „leichte Tour“. Sie ist nur vier Kilometer lang und begnügt sich mit einem Anstieg auf 72 Meter.

Übrigens
Ab Tiefensee können Sie Draisine fahren. 12 Kilometer sind es bis nach Sternebeck mit einer Hebel-, Fahrrad- oder Kartdraisine.

Auf den Dachsberg

Start/Ziel: Strandbad Buckow
Wanderung: ca. 9 km
Zwischenstop: Haus Tornow am See

Bleiben wir für unser nächstes Beispiel im „Gebirge“. Das nennt sich „Märkische Schweiz“ und soll uns zeigen, was es so in sich hat. Hier gibt es tatsächlich die „Fontane-Wanderung“ und sie führt auf den 106 Meter hohen Dachsberg. Start und Ziel ist am Strandbad von Buckow. Doch beginnen wir wieder mit einem Zitat: „Buckow hat einen guten Klang hierlands, ähnlich wie Freienwalde, und bei bloßer Nennung des Namens steigen freundliche Landschaftsbilder auf: Berg und See, Tannenabhänge und Laufholzschluchten, Quellen, die über Kiesel plätschern, und Birken, die, vom Winde halb entwurzelt, ihre langen Zweige bis in den Waldbach niedertauchen.“ Da möchte man doch hin!

Der Weg ist mit einem grünen Punkt und einem grünen Strich markiert. In seinen „Wanderungen“ ist nachzulesen, dass Fontane diesen Weg tatsächlich gegangen ist. Er führt über den Poetensteig, oberhalb der Wolfsschlucht zum Dachsberg mit herrlichem Ausblick über die Märkische Schweiz und zum Teufelsstein, weiter durch die Silberkehle zum Großen Tornowsee. Das entsprechende Kapitel endet mit dem Erscheinen eines gar nicht so scheuen Rehs und dem Ausruf des Dichters: „Friede ist die Parole am großen Tornowsee.“

An- und Abreise-Tipps
Nach Buckow fährt in der Saison an den Wochenenden die Buckower Kleinbahn ab Müncheberg. Dorthin bringt Sie die RB26 aus Berlin Lichtenberg.Von Woltersdorf können Sie die Straßenbahn 87 bis zum S-Bahnhof Rahnsdorf nehmen, weiter geht es zurück nach Berlin mit der S3.

Zum Kranichsberg

Anreise: S3 bis Erkner oder RE1
Wanderung: 3 km

Es gibt da noch einen Fontane-Weg, der dicht hinter der Berliner Stadtgrenze in Erkner beginnt und ins fast drei Kilometer entfernte Woltersdorf führt. Auch hier ist ein Berg im Spiel – der 105 Meter hohe Kranichsberg mit einem 25 Meter hohen Aussichtsturm. Den Berliner Müggelturm kennt jeder. Aber wer kennt den Turm auf dem Woltersdorfer Kranichsberg? Dabei hat der noch deutlich mehr zu bieten als die weite Aussicht in die Landschaft. Ist vielleicht bereits Fontane an dieser Wissenslücke schuld? Immerhin hat er den Müggelbergen ein ganzes Kapitel gewidmet. Der Ort Woltersdorf aber wird nicht erwähnt.Dafür hat sich der Erkneraner Verschönerungsverein schon vor über 100 Jahren darangemacht, einen Wanderweg von der Bahnstation Erkner zum Kranichsberg auszuschildern. Benannt wurde er nach … Fontane. Rund drei Kilometer ist er lang und führt zunächst am Ufer des Flüsschens Löcknitz, kurz bevor es in die Spree fließt, entlang. Dann geht es weiter vorbei am Falkensee (mit Badestelle am Weg) an die Schleusenpromenade von Woltersdorf. Hier beginnt der Aufstieg. Der kurze Weg zum Turm führt über eine Treppe, der längere über eine Serpentine – also auch für Radfahrer geeignet. Und was macht den Turm so besonders? Er ist im Inneren zugleich ein Museum, das an Filmaufnahmen während der Stummfilmzeit in Woltersdorf erinnert. Hier entstanden Filmdramen wie „Der Tiger von Eschnapur“.

Wanderung zum „Druidenplatz“

Ein „weitgespanntes Panorama“ erlebte Theodor Fontane, als er sich auf den Granit-Tisch stellte, der – samt vier steinernen Stühlen – als ein Rest des 1827 zerteilten Großen Markgrafensteins in den Rauener Bergen übriggeblieben ist. Das in den „Wanderungen“ beschriebene Steinmobilar, das Fontane mit einem Druidenplatz verglich, existiert noch heute. Nicht aber die grandiose Fernsicht. Sie wird von den gewachsenen Bäumen verstellt.

Fontane-Weg im Spreewald

Start/Ziel: Waldschlösschenstraße in Burg-Kauper
Wanderung: 10 km

Doch nun genug der Berge. Schließlich gibt es in Brandenburg noch andere atemberaubende Landschaften. Den Spreewald zum Beispiel. Fontane ist von Berlin aus noch mit der Nachtpost nach Lübbenau gefahren. Es ist leicht zu verstehen, dass er am frühen Morgen wie gerädert aus der Kutsche stieg. Sein erster Eindruck war ein Trauergottesdienst. Die Frauen beeindruckten ihn mit ihren fantasievollen Trachten. Was der Pfarrer sprach, war für den Dichter allerdings völlig unverständlich: Er sprach Wendisch. Kantor Klingestein, „eine Spreewaldautorität“, führte dann nach Lehde und Leipe. Natürlich ließ sich Fontane auch mit dem Kahn durch die Fließe staken und schwärmte, dem Netz dieser Spreewaldkanäle fehle nichts „am Zauber von Venedig“.

Heute vertrauen wir uns der Tourist-Information von Burg (Spreewald) an, die einen zehn Kilometer langen „Fontane-Weg“ kreiert hat. Der Weg verläuft fernab der vielbesuchten Touristenziele und präsentiert die Landschaft in ihrer Urwüchsigkeit. Sieben Infotafeln am Weg machen Sie mit Fontanes Aufenthalt im Spreewald bekannt. Start und Ziel ist die Waldschlösschenstraße in Burg-Kauper. Auf dem Rundweg geht es an alten, teilweise denkmalgeschützten Spreewaldhöfen vorbei. Der Huppatz-Erlebnispfad liegt am Weg, ebenso das Waldhotel Eiche, wo Fontane den vielgerühmten Hecht in Spreewaldsoße genoss. Auf dem Weidenweg angekommen, sollten Sie der Töpferei Piezonka einen Besuch abstatten und typische Spreewälder Handwerkskunst erleben.

Nun hoffen wir darauf, dass Ihnen Theodor Fontane richtig Lust aufs Wandern gemacht hat. Sein Konterfei begleitet Sie.

Anreise-Tipp
Nach Burg im Spreewald ist die Anreise mit dem Auto zu empfehlen. Alternativ fährt der RE2 aus Berlin nach Lübben oder Vetschau, von dort weiter mit Bussen nach Burg-Dorf. Bis nach Burg-Kauper sind es dann noch 5 Kilometer.

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