Bahnhofsiedlung Ende der 1920er

Charmant, markant, komfortabel

Erkner feiert 100 Jahre Bahnhofsiedlung

Die Stadt Erkner feiert in diesem Jahr 100 Jahre Bahnhofsiedlung – mit Ausstellungen, Foren und Veranstaltungen wie dem traditionellen Heimatfest vom 17. bis 19. Mai. Denn die bis heute erhaltene Struktur der Siedlung und ihre Bauten sind selten im Großraum Berlin.

Wer vom Bahnhof Erkner in Richtung Woltersdorf unterwegs ist, kommt an Einfamilienhäusern vorbei, deren auffällige Dachformen aufmerken lassen. Es sind Spitztonnendächer, die im Siedlungsbau der 1920er Jahre eine wichtige Rolle spielten. Denn sie können kostengünstig gebaut werden und bieten, da Stützen und Balken nicht erforderlich sind, viel Platz im oberen Stockwerk. Also viel Komfort auf wenig Raum. Nicht alle Häuser der Siedlung haben diese markante Dachform, doch alle der ursprünglichen Häuser des Viertels wurden nach einheitlichem Plan gebaut. Und zwar so, wie es nach dem Ersten Weltkrieg gefordert wurde. Zweckmäßigkeit und Schlichtheit, Gesundheit und Natur waren damals die Schlagworte für modernes Bauen. Das war auch Credo der Gemeinnützigen Siedlungsgenossenschaft „Eigenheim“, die vor genau 100 Jahren, im April 1919, gegründet wurde. So wurde das Gebiet nördlich des Bahnhofs ab 1920 bebaut. In etwa 15 Jahren entstand damit der erste planmäßig angelegte Teil Erkners. Bäume wurden gepflanzt und das 9 Kilometer lange Straßennetz mit Pflastersteinen ausgestaltet, was die grüne Siedlung noch heute prägt. Da sie über die Jahrzehnte ihren Charakter weitgehend erhalten hat, gehört sie zu den wichtigen Zeugnissen des genossenschaftlichen Siedlungsbaus in Brandenburg. Wer mehr darüber wissen möchte, kann durch die Siedlung gehen oder sich vom 6. Mai bis 26. Juni 2019 die Ausstellung im Rathaus Erkner (zu den Öffnungszeiten) anschauen. Auch beim Heimatfest im Mai spielt das Jubiläum eine große Rolle – genau wie das 130-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Erkner. Bis zu ihrer Etablierung wurden Feuerlöschkolonnen zusammengerufen, um mit den damals üblichen Feuereimern, Löschdecken, Feuerhaken und Feuerleitern Brände zu bekämpfen. Anno 1889 wurde in Erkner schließlich ein Spritzenhaus gebaut, eine Feuerspritze angeschafft und die Freiwillige Feuerwehr Erkner gegründet.

Schiffsanlegestelle „Bürgerpark“

Ein Ort der Unangepassten

Ehemalige Bewohner von Grünheide machen neugierig

Kommen Sie nach Grünheide! Und lassen Sie sich nicht von der „Heide“ im Ortsnamen abschrecken, denn von der einstigen Heidelandschaft ist kaum noch etwas zu sehen. Grünheide besteht nun zu drei Viertel der Fläche aus Wald, in den sich zahlreiche Seen einbetten.

Viele Wege führen nach Grünheide: Der Schiffsanleger „Bürgerpark“ befindet sich z.B. am Peetzsee in der Ortsmitte. Der neugestaltete Bürgerpark mit Biergarten „Heydewirt“ und Spielgeräten ist mit den barrierefreien Wegen auch für Senioren und Menschen mit Handicap problemlos erlebbar. Ein großer Sandkasten mit Blick auf den See und die vorbeifahrenden Boote bieten den Jüngsten Spaß. Sie können sich an verschiedenen Geräten fit halten und im nahen Kräutergarten riechen und naschen. Eine Sprachsäule im kleinen, aber feinen Bürgerpark informiert die Besucher über Wissenswertes im Ort.

Georg-Kaiser-Wanderweg um den Peetzsee

Hier wird auf sechs Kilometern an einen Schriftsteller erinnert, der in den 1920er Jahren der meistgespielte Theaterautor Deutschlands war und heute fast vergessen ist: Georg Kaiser (1878–1945). Rund 70 Theaterstücke hat er geschrieben. 1933 wurden seine Bücher von den Nazis verbrannt, er selbst musste 1938 vor der Gestapo fliehen. Der Rundweg führt an vier Häusern ( ) vorbei, in denen Kaiser zwischen 1921 und 1938 wohnte. Ein weiterer unangepasster Bewohner Grünheides war Robert Havemann (1910–1982). Der Wissenschaftler beteiligte sich am antifaschistischen Widerstand und ging später mehr und mehr in Opposition zu stalinistischen Auswüchsen in der DDR. Die Quittung war ein jahrelanger, scharf bewachter Hausarrest. Das Grünheider Klubhaus in der alten Schule wurde nach ihm benannt.

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