© Foto: Peter Becler, Kunstobjekt Löffel

Der Riesenlöffel in der Spree

Der kleine Spreewaldort Raddusch wird zum Kunstdorf

Ein überdimensionierter Löffel von 5 Metern tunkt in die Spree, riesige Libellen aus Holz stehen am Wegesrand – was ist los in Raddusch, dem kleinen Ortsteil von Vetschau? Matthias Nevoigt vom Förderverein Kunstdorf Raddusch lüftet das Geheimnis.

Was macht der Riesenlöffel am Ufer der Spree? Das ist eine Installation des Berliner Künstlers Gregor Krampitz, der mit künstlerischen Mitteln Denkanstöße geben will, wie wir mit unserer Umwelt – konkret mit dem Wasser – umgehen. Unsere Region ist ja von der Ockerbelastung betroffen, und so steht der Löffel symbolisch für die „Suppe auslöffeln“, die wir uns da eingebrockt haben…

Die Gemeine Keiljungfer, Libelle des Jahres 2017, ist im Spreewald zu Hause.

Und was hat es mit den Libellen auf sich? Wir haben letztes Jahr zum Brandenburger Dorf- und Erntefest an unserem Radduscher Naturhafen einen Libellenpark mit Modellen errichtet. Hier können Kinder z.B. mit den Facetten-Augen einer Libelle die Natur betrachten oder beim Balancieren nachvollziehen, welche Kraft eine Libelle aufbringen muss, um auf einem schmalen Blatt zu landen und sich festzuhalten. Immerhin leben an unseren Fließgewässern 48 Libellenarten. Im Park gibt es Ruheliegen für die Großen, um entspannt z.B. die Alpakas im Gehege vis-à-vis zu beobachten. Und im nahen Hotel Radduscher Hafen liegen Bastel- und Malvorlagen zum Thema Libellen bereit.

Sie sind schön und jagen obendrein auch noch Insekten, denn Libellen sind Fleischfresser.

Jetzt gibt es zum Libellenpark noch einen Kultur- und Erlebnispfad. Ja, denn die Libellen lassen sich nur wenige Monate beobachten. Der zwei Kilometer lange Pfad führt links der Radduscher Kahnfahrt über den Deich. Hier können die Wanderer Eisvogel und Reiher und seltene Pflanzen wie Knabenkraut und Seerosen entdecken, aber auch Kunstobjekte betrachten. Denn wir wollen Kunst im Ort etablieren, diese mit der Natur verknüpfen und damit unser Dorf für Einheimische und Gäste attraktiver machen. Überrascht hat uns ehrlich gesagt, wie gut unsere Kunstscheune auf dem Gelände der „Vila Radus“, der Alten Backstube mitten im Dorf, im letzten Jahr angenommen wurde – von Künstlern und Besuchern gleichermaßen.

Die meiste Zeit verbringen Libellen unter Wasser.

Was bietet die Kunstscheune denn? Zum einen eine Plattform für Künstler aus der Region. Es gibt einfach noch zu wenige Möglichkeiten im Spreewald, um Bilder, Grafiken, Keramik oder Schmuck zu präsentieren. Die beiden Räume in der Scheune stehen allen offen und das Interesse ist groß. Viele Neugierige schauen ganz ungezwungen vorbei, und so manch ein Besucher fand hier schon sein besonderes Spreewald-Mitbringsel. Nach der Kunst gibt’s gleich nebenan Kaffee und Kuchen. Das ist doch ein perfekter Ausflug, oder?

Sehen und staunen: Slawenburg Raddusch

Archäologie in der Niederlausitz

Lassen Sie sich einladen in eines der ungewöhnlichsten Bauwerke der Niederlausitz: die Slawenburg Raddusch – die einzige neu aufgebaute frühmittel­alterliche slawische Wehranlage. Vor über 1.000 Jahren prägten mehr als 40 dieser Burgen das Bild der Niederlausitz südlich und westlich des Spreewaldes.

Die „alten Slawen“ nutzten diese Wehranlagen als Fluchtburgen und zu Verteidigungszwecken. Heute können Sie im Inneren der Wallmauern eine der modernsten Archäologie-Ausstellungen Deutschlands besichtigen. Die Präsentation „Archäologie in der Niederlausitz“ bietet einen spektakulären Überblick über Ergebnisse jahrzehntelanger Ausgrabungen in unserer Region. Vor allem die archäologischen Untersuchungen vor Inbetriebnahme der Niederlausitzer Braunkohlentagebaue werden in der interessanten und kurzweiligen Ausstellung dargestellt. Neu gestaltet wurde das Umfeld der Slawenburg Raddusch. „Erlaufen“ Sie die Geschichte auf dem Zeitsteg vom Ende der letzten Eiszeit bis 2003, dem Jahr der Eröffnung der Slawenburg Raddusch. Landschaftsinseln laden zum Verweilen, Schauen und Picknicken ein. Kids können den großen Spielplatz erobern und erleben, welche Dinge beim Bau einer Slawenburg benötigt wurden. Vor allem für Kinder und Schüler sind die museumspädagogischen Programme geeignet. Aber auch Besucher mit Handicap können auf Anfrage spezielle Angebote der Slawenburg nutzen.

28./29. April: Maifest, mittelalterl. Handwerk, Live-Musik
26. Mai: Eröffnung Sonderausstellung: Die Erfindung des Traktors
30. Juni: Serenadenkonzert mit Vetschauer Blasmusikorchester

Über alle Berge ...

Entspanntes Radeln durch Wiesen-, Wald- und Dorfidyll

Calauer Schusterjunge am Witzerundweg vor dem Heimatmuseum (rechts) und der Stadtkirche

Einmal ausreißen und neues Land entdecken: die Calauer Schweiz. Wenn eine Gegend besonders bergig und urwüchsig ist und der Wanderer beim Blick ins Tal nicht anders kann, als wohlig seufzend zu sagen: Es wird in der Schweiz kaum schöner sein! – bekommt der Landstrich als Gütesiegel das Wörtlein „Schweiz“ aufgeprägt. So auch die Calauer Schweiz. Es gibt steile Hänge, Schluchten, Quellen und Bachläufe. Kiefern und Fichten raunen im Wind, ihr harzig-würziger Duft an warmen Sommertagen macht einfach gute Laune.

Bequem pedalieren

Auch wenn die Calauer eine von 130 Schweizen Deutschlands ist, sie lässt sich mit dem Rad gut erkunden. Dafür taten sich die Stadt Calau und das Amt Altdöbern zusammen und schufen einen 34 Kilometer langen Radwander­rundweg. Etwa 80 Meter Höhenunterschied sind zu mei­stern, in sanften Steigungen und langen Abfahrten. Da ist bei aller Hügeligkeit gut zu pedalieren, wie der echte Schweizer sagen würde. Als Start und Ziel eignen sich entweder Calau oder Altdöbern. Beide Orte liegen an der Bahn. Alt und neu gehen in der Region eine spannende Liaison ein und es lohnt, sich sowohl in Altdöbern als auch in Calau Zeit zu nehmen.

Landschaft im Wandel

Altdöbern schaut auf jahrhundertealte Geschichte zurück. Das Barockschloss aus dem 18. Jahrhundert ist saniert und eingebettet in eine besondere Parkanlage. Nach Entwürfen einst berühmter Architekten, Gartenkünstler und Bildhauer spielt hier Barockgarten mit Landschaftspark. In Gemeinden des Amtes Altdöbern treffen alte Dörfer auf die Folgelandschaft des Kohleabbaus. Wo einst Tagebaue arbeiteten, erstreckt sich jetzt Seenland, das der Natur zurückgegeben wird. Bekannt ist der Gräbendorfer See. Dank seiner guten Wasserqualität ein Magnet für Badelustige, Segler, Angler und Taucher. Wer einen aktiven Braunkohlentagebau erleben möchte, findet ihn bei Neupetershain am Tagebau Welzow-Süd.

„Plinse“ und Goldborn

Von Altdöbern aus führt der Radweg über die „Plinsen­dörfer“ Luckaitz, Zwietow und Gosda in die Calauer Schweiz. Hier gibt es die köstliche regionale Spezialität: Plinsen aus Buchweizen. Goldbraun gebacken, locker, warm, süß, mit einem Pott Kaffee die beste Wegzehrung! Zwischen Gosda und Cabel sind die von Wiesen durchbrochenen waldreichen Höhenzüge immer wieder eine Augenweide. Bei Werchow entspringt die größte Naturquelle der Lausitz, der Goldborn. Der Name weist auf den hohen Eisenanteil, der dem Wasser einen rötlichen Schimmer verleiht. Den Weg markieren12 Findlinge des Werchower Sagenpfads. Guter Ort für eine Rast.

Immer etwas zum Schmunzeln

„Geht ein Cowboy zum Friseur, kommt wieder raus. Pony weg.“ In Calau feiert der Wortwitz fröhliche Urständ. Die einst hier ansässigen Schuster kalauerten zum Zeitvertreib. Hiesige „Kalauer“ samt Stadthistorie kann man heute an 25 historischen Anlaufpunkten entlang des einzigartigen Witzerundweges in der Stadt entdecken. Einladend sind Geschäfte und Cafés. Sehenswert Mädchenbrunnen und Dunkelsburgruine. Ein neues Gefühl für Zeit bekommt, wer die Kirchturmuhrenstube besucht. Ob Heimat- und das Oldtimermuseum oder die hübsch sanierten Altstadtstraßen – wer einmal anfängt Calau zu entdecken, kommt hier so schnell nicht wieder fort.

Über alle Berge...

...ist man nur, wenn man die Runde vollendet. Es entginge einem sonst das Erlebnisfreibad in Altnau und die Teichlandschaft bei Buchwäldchen. So fährt der Radwanderer einmal durch die Schweiz, die Calauer freilich, zurück ins schöne Altdöbern, wo ein Glas Wein in der Orangerie des Schlossparks den Tag gut abrundet. 

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