Neues Leben in alten Häusern

25-Kilometer-Radtour durch 7 Glien-Dörfer

Glien, das heißt soviel wie Lehm. Die hier siedelnden Slawen benannten ihr Land einst nach seinem lehmigen Boden. Heute grenzt die Gemeinde Schönwalde- Glien direkt an Berlin-Spandau. Wer gern auf zwei Rädern unterwegs ist und Kleinode am Wegesrand entdecken möchte, der folgt dem Logo des kleinen radelnden brandenburgischen Adlers und nutzt von Spandau kommend den Havelland-Radweg. Er führt vorbei an Wälder und Feldern durch alle sieben Ortsteile der Gemeinde im Ländchen Glien. Zurück geht es dann bequem von Nauen mit dem Zug.

Start ist in Schönwalde-Siedlung. Neben dem Mauerdenkmal, das an die Teilung Deutschlands erinnert, sind hier das ca. 450 Jahre alte Eichenensemble und der Waldwichtelpfad schöne Stationen. Der Radweg führt weiter über den Havelkanal in den Ortsteil Schönwalde-Dorf, wo sich Kinder auf ein Tiergehege freuen können. Das rekonstruierte Fachwerkhaus „Kreativ“ mit Scheune lädt zu Kunstausstellungen und Theateraufführungen ein. über die Bahngleise und an Wiesen vorbei gelangen die Radler in den Ortsteil Wansdorf mit der Barockkirche in der Dorfmitte. Dann geht es durch ein Waldstück nach Pausin. Hier zeigt die Waldschule Interessantes zur Flora und Fauna. Auf dem Alpakahof lassen sich die putzigen Vierbeiner streicheln oder nach Anmeldung auch für einen Waldspaziergang ordern. Im nächsten Ortsteil Perwenitz zeigt die Kulturmühle wechselnde Ausstellungen. Imposant ist die Trauerbuche neben der Kirche.

Weiter auf dem Havelland-Radweg, überqueren die Radler nun den Außenring der Autobahn. Paaren im Glien ist erreicht, wo das MAFZ das ganze Jahr über zu Events einlädt. Auf dem Dorfanger besticht die Nikolaikirche mit ihren roten Klinkern. Das Stägehaus gleich daneben ist eines der wenigen erhaltenen Mittelflurhäuser. Ein Museum mit Café erzählt die Geschichte der Bauernfamilie Stäge. Zu besonderen Anlässen gibt es Kuchen und Brot aus dem Holzbackofen, wird Butter frisch im Fass gestampft.

Der letzte Ortsteil auf der Radreise – als Abstecher vom Haveland-Radweg – ist Grünefeld. Die Gesell-Orgel in der barocken Kirche ist hörenswert. Im Sommer lockt der nahe Kiessee zum Sprung ins erfrischende Nass. Von Grünefeld sind es rund 13 Kilometer auf dem straßenbegleitenden Radweg der B 273 bis Nauen. Von hier bringen die RB 10 und RB 14 sowie der RE 2 die Ausflügler nach Berlin zurück.

Preußische Residenzen

Schlossperlen zwischen Seen und Wäldern

© Foto: Leo Seidel/Schloss Caputh

„Fontane war hier“: Wo immer Theodor Fontane (1819– 1898) auf seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ Station machte, wird im Jubiläumsjahr „Fontane. 200“ an den Schriftsteller erinnert. Im Havelland besuchte er unter anderem die Schlösser Paretz und Caputh.

Paretz war ein Lieblingsort der Königin Luise (1776–1810). Fern von höfischer Etikette, genoss sie ein „bürgerliches“ Familienleben mit König Friedrich Wilhelm III., den Kindern und mit vielen Gästen. Vor allem beim Erntedankfest feierte das Königspaar ausgelassen mit den Dorfbewohnern. Fontanes Schilderungen rufen Luises Aufenthalte in ihrem „Schloss still im Land“ lebhaft in Erinnerung. Das gelingt neben der anschaulichen Dauerausstellung im Schloss auch in szenischen Führungen. So führt der Verein Historisches Paretz e.V. an jedem letzten Samstag im Monat „Paretz. Fontane war hier.“ durch den von Baumeister David Gilly um 1800 geplanten Ortskern. Mit einem Kombiticket können Gäste vor der Ortsführung das Schloss und die Schlossremise Paretz besichtigen.

Gut 100 Jahre älter ist Schloss Caputh am Ufer des Templiner Sees, ein Geschenk des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg an seine zweite Gemahlin Dorothea – und heute ein einzigartiges kunsthistorisches Juwel. Lackmöbel, Fayencen, Skulpturen, Porzellane und Gemälde gehören zur Ausstattung barocker Schlösser der Potsdamer und Berliner Kulturlandschaft um 1700. Im Festsaal und in den fürstlichen Gemächern haben sich frühbarocke Stuckaturen und Deckengemälde erhalten, die schon Fontane bewunderte. Eine Fotoausstellung auf den Spuren Fontanes durch die Region ist ab 8. September im Schloss Caputh zu sehen.

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