Kleßen: Schloss und Märkischer Gutsgarten

Schloss Kleßen

An seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ hat Fontane 27 Jahre lang gearbeitet. Fünf Bände sind es geworden. Eigentlich hatte er noch an einen sechsten Band gedacht, der sich ganz der weitverzweigten Adelsfamilie von Bredow widmen sollte. Aber daraus wurde nichts, seine Romane waren ihm inzwischen wichtiger. Einer der vielen Bredow- Orte ist Kleßen. Dort ließ ein von Bredow mitten in das Dorfensemble zwischen 1723 und 1730 ein dreiflügeliges Herrenhaus mit Gutsgarten erbauen, das wir heute als „Schloss“ bezeichnen. Das hatte es mit seinem „hübschen Gartensalon mit Stuckfries und Deckenmalerei“ Fontane sehr angetan. Bei einem Besuch 1889 war er fasziniert von dem märkischen Ensemble, dessen Garten er als „schöner englischer Park“ beschreibt.

Liebevoll restauriert, bietet Kleßen heute den stilvollen Rahmen für Feiern, Tagungen und Events. Ferienwohnungen und das Café laden die Besucher ein. Wer mehr über die Geschichte wissen möchte, kann sich zu Führungen anmelden. Sehenswert im Ort ist auch das Spielzeugmuseum (siehe Seite 16). In Görne, ganz in der Nähe von Kleßen, steht eine Fontane-Büste.

Nennhausen: Schlosspark und Gärtnerhaus

Schloss Nennhausen

Am Rand von Nennhausen, umgeben von sattem Grün, steht das Schloss Nennhausen. Mächtige alte Eichen und eine malerische Wasserlandschaft prägen den umgebenden Landschaftspark. Eine Eiche mit über acht Metern Umfang, die mindestens 500 Jahre alte „Fouqué-Eiche“, wurde 2006 Opfer eines Sturms. Ihr gewaltiger Stumpf beeindruckt dennoch die Besucher. Künstlerisch gestaltet wurde der Park um 1780 von einem Phillip August von Briest, dem Vater der Schriftstellerin Caroline von Briest, die später den Dichter der Romantik Friedrich Baron de la Motte Fouqué heiratete. Theodor Fontane kannte das Schloss und die Familie von Briest. Nennhausen diente als Vorlage für „Gut Hohen-Cremmen“ in seinem Roman „Effi Briest“. Die reale „Effi Briest“ hieß allerdings Elisabeth von Plotho und hatte nichts mit Nennhausen zu tun.

Ausstellung im Gärtnerhaus

Der Schlosspark ist jederzeit frei zugänglich. Das Schloss ist in privater Hand und öffnet zu Veranstaltungen. Im alten Gärtnerhaus können sich Gäste sonntags von 15 bis 17 Uhr oder nach Voranmeldung die Ausstellung über Baron de la Motte Fouqué (1777–1843) anschauen, der vor allem durch sein Kunstmärchen „Undine“ bekannt wurde.

Ribbeck: der berühmte Birnbaum

Birnbaum neben der Dorfkirche in Ribbeck

Wer bei Fontane nach einer Schilderung des märkischen Ortes Ribbeck in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ sucht, sucht vergebens. Schade eigentlich, denn es gäbe dort viel zu berichten: über das imposante Herrenhaus „Schloss Ribbeck“, die Brennerei, in der Birnen- und andere Obstbrände hergestellt wurden, über das Waschhaus, wo es heute leckeren Birnenkuchen gibt, über das Pfarrhaus mit seinem biblischen Garten und die Alte Schule mit den zwei Klassenzimmern. Das eine ist heute ein Schulmuseum, das andere eine Gaststube. Der berühmte Birnbaum steht heute als Nachpflanzung neben der Dorfkirche und erinnert an die Ballade, in der Fontane auf eine alte Legende zurückgriff, in der die Großherzigkeit des 1759 gestorbenen Gutsherren Hans-Georg von Ribbeck beschrieben wurde.

Viele Stelen im Ort geben Hinweise, welche Bewandtnis es mit den jeweiligen Gebäuden hat. So ergibt sich ein gleichermaßen informativer wie unterhaltsamer Rundgang durch das Ribbeck im Havelland.

Besuchen Sie das Fontane-Museum im Schloss Ribbeck ab 1. Mai 2019!
Mo–So 10–17 Uhr
Theodor-Fontane-Str. 10
14641 Nauen, OT Ribbeck
Tel. (03 32 37) 859 00
www.schlossribbeck.de

Brieselang, Schönwalde Glien, Falkensee: ein Galeriebesuch

Museum mit Galerie in Falkensee

Auch ein Ort namens Brieselang taucht in Fontanes „Wanderungen“ gar nicht auf. Dafür gibt es eine einfache Erklärung: Brieselang entstand erst 1925 als selbstständige Landgemeinde. Dennoch heißt ein ganzes Kapitel in Fontanes „Wanderungen“ „Der Brieselang“. Wir erfahren: Es ist eines der ältesten Waldgebiete des Havellandes. Schon zu Fontanes Zeiten war es ein beliebtes Ziel für Berliner Sonntagsausflüge. Man fuhr mit der Berlin-Hamburger Eisenbahn dorthin und stieg entweder in Finkenkrug, heute ein Ortsteil der Stadt Falkensee, oder in Brieselang aus. Mitten im Wald gab es – wie könnte es anders auch sein? – eine Försterei. „In den Brieselang also!“ ruft uns Fontane, der Wanderer, zu. Er selbst erweist sich auf mehreren Seiten als angeregter Plauderer, dessen Begleiter viel Interessantes über die Natur mitzuteilen haben. Wo Fontane einst wanderte, erstrecken sich heute ausgedehnte Wohngebiete, die Falkensee zu einer Waldstadt mit den meisten Einwohnern in Brandenburg machen.

Galerie in Falkensee

In Falkensee, in der Falkenhagener Straße 77, zeigt das Museum mit seiner Galerie vom 15. März bis Juni 2019 die Fotoausstellung „Brandenburger Notizen: Fontane – Krüger – Kienzle“. Die Ausstellung verbindet Theodor Fontanes Texte und Skizzen mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Fotografen Krüger und Kienzle: Heinz Krüger fotografierte schon von 1963 bis 1970 Orte, die Fontane beschrieb. Mit dem Rad und einer Plattenkamera fuhr Lorenz Kienzle durch Brandenburg, um sich sein Bild zu machen. So entsteht eine Komposition, die von der Vergänglichkeit, aber auch der Zeitlosigkeit von Orten erzählt.

Infos: www.museum-galerie-falkensee.de

Paretz: Schloss Still-im-Land und Erntefest

Schloss Paretz

Den Ort und das Schloss Paretz stellt uns Theodor Fontane in seinen „Wanderungen“ sehr ausführlich vor. Natürlich ist daran Königin Luise „schuld“. Seinem Kapitel im Band „Havelland“ hat er ehrfürchtig ein Zitat von Goethe vorangestellt: „Die Stätte, die ein guter Mensch betrat, ist eingeweiht ...“ Fontane berichtet von den Bauarbeiten für das Schloss, das „heutzutage kaum noch den Ansprüchen eines Torflords genügen würde“. Und weiter Fontane: „In diesem also umgeschaffenen Paretz, das bei Freunden und Eingeweihten alsbald den schönen Namen ‚Schloß Still-im-Land’ empfing, erblühten dem Königspaare Tage glücklichsten Familienlebens.“

Erntedank in Paretz

Der kleine Ort Paretz feiert mit einem umfangreichen Programm rund um das Leben und die Literatur Theodor Fontanes. Zahlreiche Events sind gespickt mit Lesungen, Musikund Filmnacht. Highlight ist das historische Paretzer Erntefest vom 28. bis 29. September 2019, das Fontane so beschrieb: „Diese Erntefeste, die bald einen Ruf gewannen, machten das stille Paretz zu einem Wallfahrtsort für nah und fern.“

Schwielowsee: Wanderung um den See

Schwielowsee

Dem „Schwielow“ hat Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ein ganzes Kapitel gewidmet. Wie es scheint, hat der Dichter auf dem See seine eigenen Erfahrungen gemacht: „Der Schwielow ist gutmütig …, aber wie alle gutmütigen Naturen kann er heftig werden, plötzlich beinahe unmotiviert, und dann ist er unberechenbar …“ Der Dichter weiß über die versunkenen Lastkähne zu berichten, über den Lieblingsplatz von Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV., über die Fährstelle von Caputh, die Fischer von Ferch und die Werderaner Obstbäuerinnen, die nachts ihre Ware nach Berlin bringen.

Fontanewanderweg F6

Rund um den Schwielowsee führt der 25 Kilometer lange Fontanewanderweg F6. Die Tour startet am Bahnhof Potsdam Pirschheide und führt am Havelufer entlang nach Geltow, weiter zur Baumgartenbrücke und von dort zum Schlosspark Petzow. Das nächste Ziel ist Ferch. Dem Strandbad folgt ein steiler Anstieg, der mit einer schönen Aussicht über den Schwielowsee belohnt wird. Weiter geht es nach Caputh: Uferpromenade, Fähranleger, Schloss mit Schlosspark und Einsteinhaus. Am Forsthaus Templin vorbei führt der Weg zum Alten Tornow auf der Halbinsel Hermannswerder. Von dort ist es nicht mehr weit bis zum Anleger der Fähre F1 (etwa 7–18 Uhr alle 15 Minuten). Vom anderen Ufer geht es an der Havel entlang zum Ausgangspunkt zurück.

Konzerte am Schwielowsee

Inspiriert von den Worten Fontanes über die kleinen Orte mit ihren besonderen Menschen, finden 2019 musikalisch-literarische Inszenierungen rund um den Schwielowsee statt. „Schwielowseekonzerte am Feldsteinkamin“ in der kühlen Jahreszeit und Freilichtkonzerte an lauen Abenden laden auch zum Mitmachen ein.

Lehnin: das erste Zisterzienserkloster der Mark

© Foto: TV Havelland

Am Beispiel des Klosters Lehnin bewies Theodor Fontane seine Leidenschaft für die Geschichte seiner märkischen Heimat. Er lässt uns wissen, dass es die erste Klostergründung des Zisterzienser-Ordens in der Mark war. Und er merkt an: Das ältere Kloster Zinna „war nicht märkisch“. So eingestimmt, können wir uns mit Fontane in den Reigen der Lehniner Äbte begeben, die Namen wie Sibold, Arnold und Valentin trugen. Sie wurden vom Papst persönlich den Bischöfen von Brandenburg und Havelberg gleichgestellt. Beeindruckt war Fontane von der kräftigen Natur rund um die Klostermauern. „Innen hatten wir die nackte, nur kümmerlich bei Leben erhaltene Existenz …, draußen haben wir die ganze Poesie des Verfalls, den alten Zauber, der überall da waltet, wo die ewig junge Natur das zerbröckelte Menschenwerk liebevoll in ihren Arm nimmt.“

Über 100 Kilometer ausgeschilderte Routen, qualifizierte Wanderführer und Gasthöfe machen Kloster Lehnin zu einem besonderen Wandererlebnis für Naturliebhaber. Beliebt ist der 7,5 Kilometer lange Willibald-Alexis-Weg. Er erinnert mit Info-Tafeln an einen Dichter, der für Theodor Fontane ein großes Vorbild war. Sein in Kloster Lehnin entstandener historischer Roman „Die Hosen des Herren von Bredow“ wurde 1973 sogar verfilmt.

Plaue, Brandenburg an der Havel: Schloss und Fontaneweg

Schloss Plaue

über das majestätisch am Wasser thronende Schloss Plaue, heute ein Ortsteil von Brandenburg an der Havel, kann man viel in Fontanes letztem Band „Fünf Schlösser“ nachlesen. Seine Schilderungen vermitteln uns ein Bild von der reichen Innenausstattung, bevor sie durch Krieg und Nachkrieg weitgehend verloren ging. Zu DDR-Zeiten war es eine Internatsschule, in der Auslandskader fremde Sprachen erlernen konnten. Heute bildet es den imposanten Rahmen für Hochzeiten und andere Feste.

Der kürzlich angelegte „Plauer Fontaneweg“ führt durch den sehenswerten Schlosspark und durch den Ort. Er endet am Grab von Carl Ferdinand Wiesike, den Fontane in seinem Buch vorstellt. Er war einer jener merkwürdigen märkischen Typen, die Fontane so beeindruckten: ein erfolgreicher und vermögender Gutsbesitzer, ein Verfechter der Homöopathie, der sein Haus zu einem „Wallfahrtsort für die Kranken und Gebrechlichen des Havellandes“ machte, und schließlich ein glühender Verehrer des Philosophen Arthur Schopenhauer.

leftVerlags-
übersicht
Menü
schliessen
right
shoppingzum
Buchshop