Ausgangspunkt für die Ausflugsfahrten ist der Hafen Potsdam an der Langen Brücke

Leise, leise – mit dem neuen Haveldampfer auf Tour

Neu 2019: Fahrräder können mit an Bord

Bei der Schifffahrt in Potsdam gibt es in diesem Jahr jede Menge Neuigkeiten: Bei den Havelseenrundfahrten können Ausflügler auf bestimmten Strecken Fahrräder mitnehmen. Wer ein Tagesticket kauft, kann die Fahrt an interessanten Stationen unterbrechen und auf dem nächsten Schiff zusteigen. Neu ist auch das Hybrid-Schiff „Schwielowsee“, das mit Strom aus Akkus und Dieselgeneratoren fährt. Und Nutzer des Potsdamer Wassertaxis können jetzt ausschlafen, denn die „flüssige Verbindung“ gibt es jetzt eine Stunde später.

Gehen Sie vom Hafen Potsdam vis-à-vis vom Hauptbahnhof auf Entdeckungstour durchs Havelland. Idyllische Orte wie Caputh (Schloss, Sommerhaus Albert Einsteins), Petzow (Schinkel-Schloss und Kirche, Lenné-Park), Ferch (Japanischer Bonsaigarten) und Werder (Altstadtinsel) erwarten Sie bei der Havelseenrundfahrt. Machen Sie eine Rundtour oder gehen Sie mit dem Tagesticket an Ihrer Lieblingsstation von Bord und nehmen Sie dann das nächste Schiff. Bei den B-Touren können Sie (außer dienstags und mittwochs) Ihr Rad mit an Bord nehmen und Ihre Schiffstour mit einem Fahrradausflug kombinieren.

A: 23.3.–26.4. und 6.5.–3.11. täglich 10:30 und 15 Uhr
B: 6.5.–6.10. täglich 10, 11 und 13 Uhr
(außer Di und Mi Fahrradmitnahme möglich)

Bei den Havelseenrundfahrten wird vor allem das neue, schnittige Ausflugsschiff „Schwielowsee“ mit Hybrid-Antrieb eingesetzt, das neben dem umweltfreundlichen Elektroantrieb auch über Fahrradständer für rund 30 Räder verfügt und rollstuhlgerecht ist. Fährt der „Haveldampfer“ am Ufer in der Nähe von Wohnhäusern, nutzt er den geräuscharmen Batteriestrom, während auf offenem Wasser auf Dieselstrom umgeschaltet werden kann. Die Akkus werden im Hafen Potsdam sowie im Technik-Hafen an der Großen Fischerstraße mit Ökostrom aufgeladen.

Potsdamer Wassertaxi

Einen festen Fahrplan, zwei Schiffe, 13 Stationen, Platz für 20 Fahrräder und 60 Mitfahrer sowie jede Menge Sehenswürdigkeiten – das bietet das Potsdamer Wassertaxi. Es ist vom 13. April bis 20. Oktober (und darüber hinaus an den Wochenenden) zwischen dem Jungfernsee im Norden und dem Forsthaus/Strandbad Templin am Templiner See im Süden unterwegs. Ausflügler können sich über längere Betriebszeiten (letzte Ankunft Potsdam Hafen 19:05 bzw. 18:45 Uhr) und über die Nachlademöglichkeit ihrer EBikes an Bord des Wassertaxis freuen.

Einsteins Sommeridyll

Auch der Weg zum Einsteinhaus in Caputh führt steil bergan – für brandenburgische Verhältnisse zumindest. Was mag sich der Nobelpreisträger gedacht haben, als er sich für das Grundstück am Waldrand hoch über dem Ort entschied? Spaziergänge führten nach wenigen Schritten in die Wald-Einsamkeit. Hier gab es die Ruhe, die im Hexenkessel von Berlin abhandengekommen war. Von der Terrasse des Hauses aus hatte er einen herrlichen Blick über die Dächer von Caputh und dann linker Hand über den Schwielowsee und rechter Hand über den Templiner See. Irgendwo in östlicher Richtung liegen Potsdam und der Telegrafenberg. Dort unten an der Havel, versteckt zwischen Schilf, hatte sich Einstein einen Anlegesteg gesichert, an dem seine kleine Jolle namens „Tümmler“ angekettet lag. Wohlhabende Freunde hatten ihm das mit einer Kajüte ausgestattete Schiffchen nach genauen Vorgaben anfertigen lassen und ihm zum runden Geburtstag geschenkt. Es sollte einfach zu bedienen sein, eine zweckmäßige Einrichtung für zwei Personen besitzen und in jeder Hinsicht sicher sein. Einstein unternahm damit Touren auf der Havel, hinauf bis Tegel, wo Erich Mendelsohn sich ein modernes, kantiges Haus errichtet hatte.

Im Jahr 1929 stand der 50. Geburtstag des Gelehrten an. Auch die Stadt Berlin wollte ihrem weltberühmten Einwohner ein Geschenk machen. Dieses Vorhaben entwickelte sich allerdings zu einem Fiasko. Nach langem Hin und Her entschlossen sich die Einsteins schließlich, Grundstück und Haus von eigenem Geld zu erwerben. Sie verbrachten hier vier Sommer. Zwar suchte Einstein die Ruhe, aber illustrer Besuch blieb nicht aus. Wissenschaftskollegen, Literaten, Philosophen gaben sich die Klinke in die Hand.

Auch Einsteins Sommerhaus machte Architekturgeschichte. Der gerade 28-jährige Konrad Wachsmann war Chefarchitekt einer auf Holzbauten spezialisierten Firma in Niesky (Oberlausitz). Er bot von sich aus an, auf das Hanggrundstück in Caputh in kürzester Zeit ein Haus aus Holzfertigteilen errichten zu lassen. Tatsächlich war innerhalb von drei Monaten alles fix und fertig. Der Vorschlag des Architekten, hier nach dem Vorbild des Bauhauses eine auf die praktischen Bedürfnisse der Bewohner zugeschnittene Inneneinrichtung zu schaffen, lehnte Einstein ab: „Ich will doch nicht auf Möbeln sitzen, die mich unentwegt an eine Maschinenhalle oder einen Operationssaal erinnern.“

Während die Nazis in Deutschland die Macht an sich rissen, befanden sich Einstein und seine Frau in den USA. Sie kehrten nicht mehr zurück. Ihr Besitz in Berlin und in Caputh wurde enteignet, seine Bibliothek mit 20.000 Büchern wurde verbrannt.

Auf den Höhen der Wissenschaft

Humboldt, Einstein und der Telegrafenberg

ist ein herrliches Gefühl, die Einheitlichkeit … von Erscheinungen zu erkennen, die der direkten sinnlichen Wahrnehmung als ganz getrennte Dinge erscheinen. Albert Einstein 1901

Das Jahr 2019 hält eine ganze Reihe von Jubiläen bereit. Bereits jetzt viel besprochen: 200 Jahre Fontane, 100 Jahre Bauhaus. Hinzu kommen 250 Jahre Alexander von Humboldt, 140 Jahre Albert Einstein, 100 Jahre experimentelle Bestätigung der Relativitätstheorie, 90 Jahre Einstein-Haus in Caputh… Diese Jahrestage führen uns zu einer Spurensuche auf den Bergen südlich von Potsdam.

Beginnen wir mit Alexander von Humboldt und dem Telegrafenberg. In den 1830er und 1840er Jahren hielt sich der damals schon weltbekannte Gelehrte häufig in Potsdam auf, denn er gehörte als Kammerherr zum Tross der damaligen preußischen Könige. Die Erhebung, die er vom Stadtschloss aus vor Augen hatte, nannte er „mein Chimburazo“.

1802 hatte er während seiner Amerika- Expedition mit zwei Begleitern den Aufstieg zu jenem 6.310 Meter hohen Vulkan in den ecuadorianischen Anden gewagt, der seinerzeit als der höchste der Welt galt. Keiner von ihnen wusste, was sie in Höhen an der Grenze zur Todeszone erwartete. So waren sie in fast normaler Straßenkleidung losmarschiert und hatten auch keine Ahnung davon, was der Sauerstoffmangel bewirkt. Vielleicht war es ihr Glück, dass ihnen ein Felsspalt rund 700 Meter unter dem Gipfel den weiteren Aufstieg verwehrte.

So konnte Humboldt anschließend als erster Wissenschaftler eine detaillierte Darstellung der Höhenkrankheit geben – von den umfangreichen Beschreibungen der Geologie, der Meteorologie und der Botanik abgesehen. Als Humboldt 1804 zurück nach Europa kam, bestand sein Gepäck aus 45 Kisten voller wissenschaftlichen Materials. Er selbst war die folgenden 20 Jahre damit beschäftigt, dieses Material auszuwerten. Es blieb aber noch genug für kommende Wissenschaftler- Generationen übrig.

Aber vielmehr interessierte er sich für die Sterne am Nachthimmel über Potsdam.

Zu Humboldts Zeiten befand sich auf dem nahen Brauhausberg in Potsdam ein kleiner Aussichtsturm und auf der Höhe dahinter die 4. Station der optischen Telegrafenlinie zwischen der Berliner Sternwarte und dem Schloss von Koblenz. Mag sein, Humboldt hat als betagter Mann den kleinen Aufstieg zum Telegrafenberg unternommen, um dem Gerät mit den beweglichen Armen bei der übermittlung von chiffrierten Nachrichten zuzusehen. Aber vielmehr interessierte er sich für die Sterne am Nachthimmel über Potsdam. Immerhin nutzte er jede freie Minute – und das war meist nachts –, um an seinem Lebenswerk zu arbeiten, das er „Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung“ nannte. Er wollte darin den inneren Zusammenhang aller Dinge zwischen den fernsten Sternen im Weltall und den kleinsten Lebewesen auf der Erde darstellen. Es soll damals nach der Bibel das meistgelesene Buch der Welt gewesen sein. Was wir heute mit Begriffen wie „ökologische Systeme“, „Artenvielfalt“ oder „Klimafolgen“ bezeichnen, bestimmte schon damals sein Denken. Ebenso die Ablehnung der Sklaverei und des Kolonialismus. Charles Darwin baute auf Humboldts Forschungen auf, Simon Bolivar, der südamerikanische Revolutionär, war sein Freund, ebenso der Hobby-Geologe Johann Wolfgang von Goethe. Jahrzehnte nach Humboldts Tod verschlang ein wissbegieriger Junge die großformatigen „Kosmos“-Bände. Er hieß Albert Einstein.

Aber auch die Erde selbst wurde vom Telegrafenberg aus in vielerlei Richtung untersucht…

Seit den 1870er Jahren siedelten sich auf dem Potsdamer Telegrafenberg verschiedene naturwissenschaftliche Forschungseinrichtungen an. Im Mittelpunkt standen die Riesenfernrohre der Astrophysik, einer neuen Disziplin der Himmelbeobachtung. Hierbei vereinten sich Physik und Chemie, um die Beschaffenheit ferner Welten zu erforschen. Aber auch die Erde selbst wurde vom Telegrafenberg aus in vielerlei Richtung untersucht: Es wurden Methoden zu ihrer Vermessung ausgeklügelt, dem Erdmagnetismus wurde zuleibe gegangen, Bewegungen im Erdinneren registriert und das Wetter- und Klimageschehen wurde verfolgt. Und alles das in bester Tradition Alexander von Humboldts. Der hatte zu Lebzeiten alles getan, um die Naturwissenschaften populär zu machen und ihnen Mittel für die Anschaffung moderner Beobachtungsgeräte zu verschaffen. Eine populärwissenschaftliche Vortragsreihe, für die er übrigens kein Manuskript benötigte, erlebte einen gewaltigen Zustrom. Humboldt nutzte auch seine Kontakte zum König, um Gelder zu beschaffen. So wurde es möglich, dass Deutschland um die Jahrhundertwende zu den führenden Wissenschaftsnationen der Welt gehörte.

Während auf dem Telegrafenberg erstmals der Nachweis eines Doppelsterns gelang, machte sich ein junger Patentprüfer in Zürich Gedanken über die größten und kleinsten Bausteine des Universums. Im Jahr 1905 brachte er mit der Formel E = mc² Energie, Raum und Zeit in ein mathematisches Verhältnis. Für seine Berechnungen benötigte Einstein keine ausgeklügelten Geräte. Ihm genügten Bleistift und Papier, um seine Gedanken zu entwickeln. Seine Welt war die der mathematischen Formeln. Er überließ es dann anderen, die Richtigkeit seiner Berechnungen zu überprüfen. Isaac Newton hatte seinen Meister gefunden. Aber in der Realität überprüft waren Einsteins Theorien noch nicht.

1919, vor genau 100 Jahren, gelang es einer englischen Expedition, auf einer kleinen Insel vor der afrikanischen Küste während einer Sonnenfinsternis die von Einstein vorausberechnete Ablenkung des Lichtes im Schwerefeld der Sonne durch Messungen nachzuweisen. Damit wurde die Allgemeine Relativitätstheorie praktisch bestätigt und Einstein wurde über Nacht zu einem weltberühmten Mann.

Er plante einen Turm am Rand des Telegrafenberg- Plateaus hoch über Potsdam.

An der Berliner Sternwarte arbeitete Anfang des 20. Jahrhunderts ein junger Astronom namens Erwin Finlay Freundlich, der fest an die Richtigkeit der Einsteinschen Theorien glaubte. Er legte seinen gesamten beruflichen Ehrgeiz darein, an deren Bestätigung teilzunehmen. Und das unter Laborbedingungen, nicht dem Zufall einer Sonnenfinsternis überlassen. Freundlich war es, der die Idee für ein spezielles Sonnenobservatorium in Form eines Turms hatte. Er wusste auch, wer die dazugehörige Hülle entwerfen sollte: sein Freund, der bereits namhafte Architekt Erich Mendelsohn. Er plante einen Turm am Rand des Telegrafenberg-Plateaus hoch über Potsdam.

Er war es schließlich auch, der durch die „Albert-Einstein-Spende“ privates Geld für das Observatorium einsammelte. Nachdem die wissenschaftlichen Geräte eingebaut waren, konnte das Observatorium im Dezember 1924 als Unterabteilung des Astrophysikalischen Observatoriums auf dem Telegrafenberg eingeweiht werden. Anfangs kam Einstein zu wichtigen Sitzungen, doch bald überließ er anderen die Sonnenbeobachtung.

Im Dezember 1922 wurde ihm der Physik- Nobelpreis für das Jahr 1921 zuerkannt. Seit dem Bau des Sonnenobservatoriums auf dem Telegrafenberg ist der Name Einstein auch mit einem Meilenstein der Architekturgeschichte verknüpft. Obwohl der weiße Bau niemals offiziell den Namen „Einsteinturm“ verliehen bekommen hatte, bürgerte sich sehr schnell dieser Name ein. Die äußere Form ist zum einen den wissenschaftlichen Apparaten im Inneren geschuldet, zum anderen aber auch der futuristischen Formensprache des Architekten Erich Mendelsohn. Mit diesem Bauwerk gesellt sich in Potsdam zu Sanssouci und den anderen berühmten Schlössern eine weitere hochkarätige Sehenswürdigkeit hinzu. Die Urania Potsdam bietet gelegentliche Führungen durch den Turm an.

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