„Ob mit vier oder 14 – ich wollte immer Schäfer werden“

Stephan Stockfisch ist Wanderschäfer in Joachimshof

Stephan Stockfisch ist jeden Tag draußen. Genau wie seine Schafe. Er ist Wanderschäfer, ein Sonderfall, wie er selber sagt. Denn als er 1999 „aus Enthusiasmus“ anfing, hatte er nichts. Keine Flächen, kein Geld für einen Stall, nur diesen einen Traum: „Egal, wann sie mich gefragt haben – mit vier, mit 14 – ich wollte immer Schäfer werden.“

Heute, nach 20 Jahren im Beruf, hat er viele Sorgen der Anfangsjahre hinter sich. „Ich komm gut klar“, sagt Stephan Stockfisch. Inzwischen beschäftigt er sogar einen Mitarbeiter. Seine Herde umfasst 750 Mutterschafe, und mit dem Nachwuchs ist sie zeitweise sogar doppelt so groß.

Jeden Morgen geht es raus zu den Tieren. Jeden Tag bekommen sie eine neue Fläche mit frischem Futter. Manchmal bewegen Stephan Stockfisch und sein Mitarbeiter die Schafe nur ein Stückchen weiter. Manchmal geht es mehrere Kilometer bis zur nächsten Weidefläche. Jeden Tag trainiert der Schäfer mit seinen Hunden, „damit das System geschmiert läuft“. Trotzdem ist kein Tag wie der andere. Es gibt einen wiederkehrenden Rhythmus im Jahresverlauf. Der erste große Termin ist Mitte April. Da lässt er seine Schafe scheren. Früher war die Wolle ein wichtiger Teil des Verdienstes einer Schäferei. Seit Jahren sind die Preise schlecht, im letzten Jahr so schlecht wie nie. „Es gab eine Zeit, da wurden die Scherer auf Händen getragen“, erzählt er, „heute ist das für alle Stress. Für die Tiere, die Scherer, den Schäfer.“ Aber runter muss die Wolle. Schließlich sind Schafe über Jahrhunderte dahin gezüchtet worden, dass ihnen so schnell und so viel davon wächst, dass man sie regelmäßig von ihrem Haarkleid befreien muss. Manche Kollegen probieren es mit Tieren ohne Wolle. Das kommt für ihn nicht in Frage, denn die sind nicht perfekt an das hiesige Klima angepasst wie die einheimischen Rassen.

„Stab und Hut und den ganzen Tag gucken…“

„Jedes Jahr freue ich mich auf den Juni, auf die Lammzeit. Aber nach drei Wochen ist es dann auch wieder gut.“ Die Lammzeit ist die aufregendste und arbeitsreichste Zeit des Jahres. Zu anderen Zeiten kann der Schäfer auch schon mal nach ein paar Stunden Arbeit wieder nach Hause gehen. Dafür gab es in den ersten zehn Jahren kein einziges Wochenende frei, keine Feiertage, keine Urlaube. Jeden Tag heißt jeden Tag. Einst schliefen Wanderschäfer im Schäferkarren bei der Herde. Manche tun das noch heute. Stephan Stockfisch schläft in seinem eigenen Bett. Man könnte ihn einen sesshaften Wanderschäfer nennen, einen Sonderfall eben. Bis auf eine 70 Kilometer entfernte Fläche bewegt der 44-Jährige seine Schafe in einem Radius von etwa fünf bis 15 Kilometern um sein Zuhause in Joachimshof, einem kleinen Dorf zwischen dem Havelland und Ostprignitz-Ruppin. „Stab und Hut und den ganzen Tag gucken, wie die Schafe fressen? Das mach ich nicht. Die Schafe bleiben auch mal eingezäunt nachts allein draußen. Ich hab auch Familie, Haus, Kinder, ein Hobby.“ Genauer genommen sind es zwei Hobbys, von denen Stephan Stockfisch gerne und mit Leidenschaft erzählt. Er ist Jäger, und er züchtet Jagdhunde und bildet sie aus. Und wenn nicht so viel los ist in der Schäferei, dann organisiert er auch gerne Wettbewerbe, das sogenannte Freundschaftshüten, an denen er auch selbst teilnimmt. Dafür schnappt er sich 200 Schafe und seine Hunde und trainiert jeden Tag ein paar Stunden mit ihnen. „Auch um zu sehen, wie sich ein neuer Hund entwickelt oder wie sich die Herde verändert, je nachdem, wie viel man mit ihnen arbeitet“.

„…das muss sich auch rechnen.“

Wenn Stephan Stockfisch erzählt, wird schnell klar: Beruf und Hobby gehen ineinander über. Die Arbeit mit Tieren und täglich draußen zu sein – das hat er am liebsten. In seiner Schäferei, so sagt er, kann er sich selbst verwirklichen. Er kann sich den Tag selbst einteilen. Als Selbstständiger hat er aber natürlich auch „die Wirtschaftlichkeit im Nacken“, wie er es nennt. „Wir haben eine Betriebswirtschaft, das muss sich auch rechnen.“

Wovon also lebt eine Schäferei? Bei der Wolle läuft sie Gefahr, draufzuzahlen. Auch die Preise für die Lämmer sind schlecht. Das Fleisch ist ein finanzielles Standbein, aber das reicht nicht. Im Westen gibt es noch angestellte Gemeindeschäfer. In Brandenburg sind das alles private Betriebe, die vor allem versuchen müssen, gute Flächen für ihre Tiere zu finden. Denn ruhig schlafen kann nur, wer auch Landschaftspflege betreibt. Die Pflege etwa von Heideflächen bringt Geld ein. Sie müssen von Schafen beweidet werden, weil sie die kleinen Baumtriebe abgrasen und damit das Gelände offen halten. Sonst würde aus der Heide schnell ein Wald. Das Umweltamt weist immer wieder Flächen aus, die zu beweiden sind. Dort fließen Fördermittel. Für die Lämmer aber sind diese Flächen oft zu karg, die Schafe von Stephan Stockfisch grasen deshalb im Mai auf dem Deich. Danach braucht er andere Weiden oder muss zufüttern. Neben der Deichpflege hat er auch Wiesen gepachtet, wo er sich verpflichtete, gar nicht mehr zu düngen – dem Boden und der Biodiversität zuliebe. Das gibt zwar einerseits weniger Ertrag, andererseits aber bekommt er dafür Zuschüsse. Stephan Stockfisch freut sich darüber, dass es die Politik mit den Schäfern in den letzten Jahren durchaus gut gemeint und ihre Sorgen ernst genommen hat. Aber wie viele Landwirte beklagt auch er, „dass wir nicht von unseren Produkten leben können, sondern zum großen Teil von Fördergeldern abhängig sind. Das ist ziemlich unbefriedigend.“ Seinen Sohn hält das nicht davon ab, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Merlin Stockfisch ist 17 Jahre alt. Er lernt den Beruf in einem sehr traditionellen Betrieb in Sachsen-Anhalt, mit 10 bis 12 Stunden Arbeit am Tag. Und es macht ihm Spaß. Wenn er in drei Jahren fertig ist, wird er „Viehwirt mit Fachrichtung Schäferei“ sein. Dann wären die Stockfischs Schäfer in vierter Generation.

Begonnen hat alles mit dem Großvater von Stephan Stockfisch. Der war Bauer. Als er seine Flächen an die LPG abgeben musste, begann er, sich um die genossenschaftliche Schafherde zu kümmern. Mit dem Ende der DDR kam auch das Ende für die LPG und ihre Schafherde. Als Kind erlebte Stephan Stockfisch mit, wie nach und nach die Schafe verkauft und die Leute entlassen wurden. „Das war für mich sehr prägend und sehr schmerzhaft. Auch wenn ich als Kind nicht direkt betroffen war. Aber es war ein Stück Heimat für mich, die verloren ging.“ Auch sein Vater Hartwig Stockfisch wurde arbeitslos. Er war damals um die 40, verdingte sich als Fliesenleger, baute nebenbei den alten Hof der Familie wieder auf und kaufte sich nach und nach eine Schafherde zusammen. Zehn Jahre nach der Wende, Stephan Stockfisch hatte gerade seine Meisterprüfung als Bäcker gemacht, fasste er den Mut, seinen Traum von der eigenen Schäferei zu verwirklichen. „Mein Vater hat mich immer sehr unterstützt. Damals hat er mir 300 Schafe abgegeben. Und vor ein paar Jahren hat mein Vater die Flächen für mich gefunden, die mich jetzt ruhig schlafen lassen.“ Seit er einen Mitarbeiter hat, kann er auch mal mit seiner Familie wegfahren. Aber es dauert nicht lange, manchmal überkommt es ihn schon am ersten Abend, manchmal nach wenigen Tagen. Dann zieht es ihn zu seiner Herde und seinen Hunden und er merkt: „So ein Ausflug ist schön, aber ich will wieder zurück.“
Chris Kornweil

Reif für die Insel?

Dann auf nach Kyritz!

Gasthaus „Insl“ auf der Unterseeinsel

Die 1,3 Hektar große Insel im Kyritzer Untersee ist ein wahres Idyll. Wo einst eine slawische Burg stand, werden heute im alten Gasthaus mit Namen „Insl“ Fischgerichte, hausgemachte Burger, Kuchen und Eis gereicht. Uralte Bäume spenden kühlen Schatten, Liegestühle säumen das Ufer, Tretboote und ein Floß mit Piratenflagge liegen vor Anker. Hinter dem Haus lädt ein kleiner Wald zu Spiel und Spaß ein. Erreichen lässt sich dieses Paradies nur auf dem Wasserweg – eine Fähre bringt alle, die reif sind für die Insel, hinüber.

Überhaupt ist die 22 Kilometer lange Kyritzer Seenkette mit dem Ober- und Untersee ein attraktives Ziel für alle Wasserfans: Im Kyritzer Strandbad können alle Badenixen vergnügt ins Wasser springen. Es bietet modernen Badespaß vor historischer Kulisse mit Stegen, Sprungtürmen, Breit- und Spiralenrutsche, Spielschiff und Imbiss. Wassersportler können am Bootsverleih Ruder- und Tretboote mieten und den Untersee bei einer schönen Tour erkunden. Wer es ganz bequem mag, geht an Bord eines Fahrgastschiffes. Familien, die mit Kindern einen Ausflug planen, wird der Märchenwald an der Kyritzer Seestraße freuen: Hier gibt es so manche alte oder neue Geschichte zu entdecken. Gut toben lässt es sich im Abenteuer-Spielwald in der Waldkolonie und auf dem Spielplatz am Seeufer.

Wenn dann noch Zeit bleibt, ist ein kleiner Bummel durch die alte Hansestadt Kyritz nett: Sanierte Fachwerkhäuser ziehen die Blicke auf sich, die stattliche Friedenseiche auf dem Marktplatz lädt zur Rast ein, und der Bassewitzbrunnen erzählt die Sage von den mutigen Marktfrauen, die den Raubritter Bassewitz in die Flucht schlugen – mit heißem Brei…

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