Kleiner Berg ganz groß

Heimliche Signale aus Schenkenberg und Krautiges aus Götz

Infotafel zur „Telegraphenstation Nr. 6“ auf dem Schenkenberg

Der Fliederberg bei Schenkenberg ist eher unscheinbar und mit 56 Metern Höhe nun wahrlich ein Zwerg. Doch seit man auf dem Berg alte Fundamentreste fand, zieht er wieder Neugierige an. Denn von 1832 bis 1852 war Schenkenberg Teil der „Königlich-Preußischen Optischen Telegraphenlinie Berlin-Koblenz“ und damit richtig wichtig. Hier stand die „Telegraphenstation Nr. 6“. Daran erinnern auf dem Schenkenberger „Telegrafenberg“ jetzt eine Info­tafel und der Telegrafenwanderweg. Die Zufahrtsstraße heißt „Zur Telegrafenstation“ und weist interessierten Besuchern den Weg. Wer sich dorthin aufmacht, erkundet im Zeitalter von Smartphone und Satellitenfunk ein spannendes Stück unserer Geschichte.

Als 1822 das Rheinland preußische Provinz wurde und Koblenz deren Hauptstadt, wurde die schnelle Übermittlung dringender Staatsdepeschen von und nach Berlin immer wichtiger. Reitende Boten taten ihr Bestes. Aber unter 24 Stunden war da nichts zu machen. Etwas Neues musste her. Die elektromagnetische Telegrafie steckte noch in den Kinderschuhen. Also griff man eine Idee der alten Griechen auf, Informationen durch optische Signale weiterzugeben. So entstand bis 1837 ein gewaltiges Projekt: Auf einer Strecke von 588 Kilometern von Berlin über Köln bis Koblenz wurden 62 Stationen für die optisch-mechanische Telegrafie errichtet. Alle 7 bis 15 Kilometer stand solch eine Telegrafenstation. Preußisch akkurat von Berlin aus durchnummeriert, war Schenkenberg immerhin die Station Nummer 6. Die Nachbarstationen lagen auf dem Fuchsberg in Glindow und auf dem Marienberg in Brandenburg an der Havel. Mit Fernrohren hielten die Beamten Ausschau, ob eine Nachricht weiterzugeben war. Bei guter Sicht brauchte sie von Berlin nach Koblenz nur noch eine gute Stunde. Bei schlechter Sicht lief gar nichts.

Wie aber erhielten die Beamten die wichtigen Informationen? Oben auf der Station gab es einen Signalmast, an dem zwei mal drei Flügel montiert waren. Diese Flügel ließen sich mit Seilzügen jeweils in drei Varianten verstellen – in 45-, 90- und 135-Grad-Stellungen. So ergaben sich insgesamt 4.096 Kombinationen und dadurch unterschiedliche Codierungen. Der „Telegraph“ musste die optischen Signale von der Nachbarstation nur noch ordentlich weitergeben.

Wiederentdeckte Station 6

Allerdings hatte bereits nach 13 Jahren die schnell fortschreitende Elektrotechnik den optischen Telegrafen überholt. Die Stationen wurden abgebaut. Umso mehr freuen sich Hobbyhistoriker, wenn sie auf Überbleibsel des optischen Telegrafen stoßen. So wie in Schenkenberg. Die wiederentdeckte Station in Schenkenberg gehört heute quasi zum längsten Technischen Denkmal Deutschlands. Wenn Sie am 23. oder 24. Juni einen Ausflug hierher planen, dann können Sie gleich kräftig mitfeiern, denn der Ortsteil der Gemeinde Groß Kreutz begeht sein 90. Jubiläum.

Überhaupt, gefeiert wird in den Ortsteilen gern und oft. In diesem Jahr kommen gleich noch weitere Anlässe hinzu: Jeserig, das Dorf am kleinen Jeseriger See, wird 650 Jahre. Und Götz feiert am 2. Juni sein 825. Ortsjubiläum – mit dem Polizeiorchester Brandenburg als Attraktion. Dass der 109 Meter hohe Götzer Berg mit dem schicken hölzernen Aussichtsturm und dem 8,5 Kilometer langen Rundweg durch den Wald ein schönes Ausflugsziel ist, hat sich langsam herumgesprochen.

Kräuter und Unkräuter

Am Fuße des Götzer Berges liegt in der Bergstraße 1 ein denkmalgeschützter Park, der nach und nach wieder zugänglich gemacht wird. Im Sommer bereits geöffnet hat der „Schaugarten“ mit der „Gartenwerkstatt“. Hier geht es z.B. um Kräuter und „Unkräuter“, um Brennessel­jauche und unsere guten alten Gemüsesorten. Wie der Park überhaupt entstand, das erzählt die Ausstellung „Geschichte der Deetzer Ziegeleien“ in der Villa. Um 1870 hatte sich nämlich ein Ziegeleibesitzer diese Villa bauen und einen Landschaftspark gestalten lassen – mit Wasserturm, der einst die Wasserspiele im Park zum Sprudeln brachte, mit Grotte und Jagdhaus. Nach und nach werden die Kleinode der Gartenbaukunst wieder zugänglich gemacht. Vorbeischauen lohnt sich!

Landerlebnis Domstiftsgut Mötzow

Frisches direkt vom Feld

Raus aufs Land heißt im Havelland zum Beispiel: auf zum Domstiftsgut Mötzow! Bereits seit 1204 gehört das Gut der Kirche, das Pächter bewirtschaften. Nur knapp 6 Kilometer von der Stadt Brandenburg entfernt und ganz nah am Beetzsee können gestresste Großstädter entspannt durchatmen und mit allen Sinnen genießen. Denn im Vielfruchthof Domstiftsgut Mötzow ist (fast) immer Saison.

Frische genießen

Ab 14. April 2018 kommt der Spargel frisch vom Feld auf die Teller. Wie viel Handarbeit auch heute noch nötig ist, um das „königliche Gemüse“ zu ernten und zu verarbeiten, verrät die einstündige Betriebsführung während der Spargelzeit (ab 10 Personen auf Anmeldung). Höhepunkt ist der Blick in die Spargelsortierhalle: Hier werden täglich bis zu 70 Tonnen Spargel gewaschen, sortiert und teilweise geschält. Denn die zarten Spargelstangen kommen gleich aufs Spargelbuffet im rustikalen Ambiente des einstigen Schafstalls.

Nach dem Spargel reifen Heidelbeeren und die Mai­rübchen auf den Feldern ringsum, dann Bohnen und die dicken Kürbisse. Samstags und sonntags gibt es zwei Buffets zum Schlemmen und Genießen auf dem Gutshof: erst „Mötzower Landbuffet“, später „Spätsommerliche Leckereien mit der tollen Knolle“ – Kartoffel­essen vom Buffet. Der Hofladen im einstigen Pferdestall bietet Früchte und Gemüse für alle, die die Frische mit nach Hause nehmen möchten.

Tiere erleben

Zu einem richtigen Landausflug gehören natürlich auch Tiere: Pony Max, Esel, Ziegen, Schafe, Schweine, Kaninchen, Enten und Fasane lassen sich gut im Hoftiergehege beobachten. Richtig drollig sind die Alpakas. Gleich daneben lockt ein kleiner Spielplatz zum Toben, und ein Stück weiter erzählen Oldtimer und alte landwirtschaftliche Geräte ein Stück Geschichte.

Kunst entdecken

Kunst auf dem Land? Aber sicher! Die ehemalige Stellmacherei und der alte Kornspeicher wurden zur „Kunstmühle“ umgebaut. Ausstellungen zeigen Fotografie, Malerei und Handwerkskunst wie Keramik, Schmuck, Holzarbeiten, Textiles, Körbe. Und wie es auf dem Dorf so üblich ist, wird auch oft und gern gefeiert – mit Live-Musik und allem Drum und Dran.

leftVerlags-
übersicht
Menü
schliessen
right
shoppingzum
Buchshop