Reinkommen und bleiben wollen

Barockes „ham“ bietet kulinarische Raffinessen

Werder/Havel: Windmühle, Heilig Geistkirche, verwinkelte Gassen – die Insel und Sonnenlicht. An der Promenade liegt die Havel dunkelgrau unter Wolkenbergen. Regentropfen schrecken uns nicht. Als aber Hagel prasselt, bekommen wir flinke Füße. „Zum Haus am Markt“, rufe ich meinem Mann hinterher.

Angekommen hält er mir die Tür auf. Uns empfängt dezentes Jazzpiano. Den Raum bestimmen schlichtes Mobiliar, Kerzen, taubenblau lasierte Wände – und Grafiken. Mit leichter Hand gezeichnet, skurril, humorig. In den anderen Räumen hängen noch mehr. Ganz hinten stehen sogar Sessel vor einem Kamin.

Fröhlich begrüßt uns Sven Rückholz. Er erzählt, dass seine Frau die Grafiken gezeichnet hat. In wechselnden Ausstellungen zeigen sich Künstler der Region.

Karola Rückholz schaut aus der Küche. Schelmisch ihr Blick, herzlich ihr Lachen. Beim Zeichnen lässt sie sich vom Moment inspirieren. Und beim Kochen? „Wir pflegen eine saisonale Küche, die mit frischem Geist durchwirkt ist“, sagt sie. Da ist den Bratkartoffeln zum Matjes schon mal ein Hauch Kumin beigemengt, sind Linsen mit geröstetem Anis verfeinert. Die hausgemachten Nudeln reicht die Köchin als „Teigfetzen“ an Hokaidokürbis, Schwarzwurzeln, Kichererbsen und Blattspinat, gewürzt mit ... pst! Das wird nicht verraten.

Kunst und Kulinarik

„Das 300 Jahre alte Haus behält seinen Charakter. Wir nehmen es mit in die Gegenwart. Deshalb die klare Ästhetik, die Kunst und eine Kulinarik, die auf die Fragen unserer Zeit antwortet. Nachhaltig und sinnlich“, fasst Karola Rückholz die Philosophie des „ham“ zusammen. Gemüse, frische Kräuter und Fleisch sind regional und aus Öko-Landbau. Der Fisch schwamm im Plessower See, wo Fischer Kühn auf schonenden Fischfang achtet.

Wir jedenfalls schwelgen und nehmen sogar noch ein Eis. Eine Kugel Vanille kann jeder, hier aber ist sie in einen knusprigen Hafermantel gehüllt!

Im Sommer wird auch draußen serviert. Das Gasthaus mit dem programmatischen Namen „ham“ ist ideal für romantische Essen und für kleinere Feiern.

Als die 300-jährige Haustür schließt, wissen wir: Wir kommen wieder.

Weite, Wein und Veritas

Ein Spaziergang auf dem Wachtelberg in Werder (Havel)

Wer denkt, Wein vom nördlichsten und sonnen­fernsten Anbaugebiet für Qualitätsweine Deutschlands könne nur sauer sein, der irrt. Am „Polar­kreis des Weinbaus“, dem Wachtelberg in Werder (Havel), gibt es ein Kleinklima, das dem in Würzburg oder Ahrweiler gleicht. An den idyllischen Hängen zur Havel hin gedeiht ein fruchtbetonter Wein. Sogar der Sandboden bietet Vorteile. Schnell von der Sonne erwärmt, strahlt die Wärme in die Pflanze zurück. Der Wein, den Weinbauer Lindicke eingeschenkt, ist spritzig und leicht.

Ein Spaziergang auf dem Wachtelberg lässt Großstädter zur Ruhe kommen. Hier ist man nah dem Himmel, schaut bei frischer Luft weit über die Havellandschaft bis fast nach Berlin und gewinnt ganz sichtbar Abstand zum Alltag. Ab Ostern, freitags bis sonntags, hängt das „Sträußchen“ an der Tür der „Weintiene“: Dann wird der Wanderer mit Wein, Traubensaft und kleinen Snacks bewirtet. Die Straußwirtschaft geht zurück auf einen Erlass Karls des Großen aus dem Jahre 812. Den Weinbauern war ein kleiner Ausschank erlaubt, ohne den Gasthäusern Konkurrenz zu machen. Ein Blumenstrauß am Tor zeigte an, wenn der Winzer seine Pforten öffnete.

Dank der Schilder an den Sorten erfährt der Weinberg-Besucher Geschichte und Besonderheit der hier angebauten Reben. Denn Weinstock ist nicht gleich Weinstock: Wuchs, Blattfarbe und Blattformen unterscheiden sich erheblich, noch bevor die Trauben selbst reifen. 55 Weißwein- und 55 Rotweinsorten werden im Weinbau Lindicke angebaut. Dazu noch Tafeltrauben. Ab September darf genascht werden, wenn beim Pflücken Liebe und Achtsamkeit die Finger leiten.

Winzerfest im Sommer

Wer noch immer nicht glaubt, dass der nördlichste Qualitätswein es gut mit allen anderen aufnehmen kann, der kommt im Sommer zum Winzerfest. Dann sind Winzer aus acht deutschen Weinregionen zu Gast auf dem Wachtelberg und bieten ihre Weine an. Auch der Hobby-Winzer sollte bei Lindickes nachfragen. Aus Restbeständen kann die eine oder andere junge Pflanze erworben werden. Und bei den Rebschnitt-Seminaren lernt der Laie, was bei der Pflege zu beachten ist.

Meer for Kids – das Spiel-Paradies für alle

Hier sind Spiel, Spaß und Spannung jederzeit garantiert. Im Indoor-Spieleparadies können sich kleine und große Kinder nach Herzenslust austoben: beim Klettern im Mega-Klettergerüst, Springen auf dem Trampolin oder dem Wabbelberg, Rutschen auf Riesen-, Rollen- oder der Spiralrohrrutsche, auf der doppelbahnigen Wellenrutsche und beim Go-Kart-Fahren. Ein Extrabereich für die ganz Kleinen und das Bistro ergänzen das Angebot für die ganze Familie. Im Bistro wird auf gesunde Zubereitung der Speisen geachtet. Gern richtet das Team auch Kinder­geburtstage aus.

Sanddorn – die Superbeere

Christine Berger bietet im Sanddorn-Garten in Petzow ländlichen Genuss

Superbeere, Powerfrucht, Vitaminbombe, Wohlfühlschatz, Lebenselexier – große Worte für kleine, orange-farbene Beeren von stachligen Sträuchern: Sanddorn. Warum das so ist, und was sich alles aus Sanddorn machen lässt, das erfahren interessierte Besucher im Sanddorn-Garten zwischen Glindower und Schwielowsee in Petzow.

Sanddorn ist eine einzigartige Gabe der Natur und eine wahre Vitaminbombe. Die Frucht wird deshalb auch als „Zitrone des Nordens“ bezeichnet: 100 g Sanddornbeeren enthalten bis zu 450 mg Vitamin C, das ist fast 10 mal soviel wie die Zitrone hat. Darüber hinaus enthält Sanddorn noch viele andere Vitamine wie Vitamin B, E, K und das Provitamin A sowie Mineralien und Spurenelemente. Weil die leuchtend gelben bis orange-farbenen Beeren zwar schön in der Sonne glänzen, aber nun mal sauer-herb sind und nicht wirklich schmecken, kreierte Christine Berger in mehr als 25 Jahren über 70 Sanddorn-Produkte, mittlerweile in Bio-Qualität. Denn der Sanddorn wächst auf den 150 Hektar großen Feldern des Familienunternehmens in Brandenburg.

Gläserne Produktion

Wie die Früchte nun schonend zu Schmackhaftem verarbeitet werden, das können sich die Besucher in der gläsernen Produktionshalle im Showroom anschauen und die Produkte verkosten. Nicht nur die neueste Kreation, das Sanddorn-Salatöl, finden Sie im Petzower Hofladen, sondern auch leckere Fruchtaufstriche, Säfte, Smoothie und eine eigene Kosmetik-Linie. Nebenan im Spezialitätenmarkt gibt es Regionales wie Wurst und Käse, Kuchen und Imbiss im kleinen Café sowie Accessoires für Haus und Garten. Die passenden Pflanzen hat der Kräutergarten vor dem Markt. Im Restaurant „Orangerie am See“ mit Sonnen­terrasse am Glindower See wird Köstliches serviert: Sanddorn-Torten, Säfte, Eisbecher und kleine Gerichte. Im toskanischen Ambiente des Res­taurants lässt es sich besonders schön feiern.

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